Alternative(n) zum Raspi Pi Zero 2 W

  • Hallo liebe Gemeinde,

    nachdem mein bisheriger Raspi Pi Zero 2 W so WLAN-technisch vor einigen Tagen "abgeraucht" ist, habe ich mich nach einem Ersatz umgesehen. Die Alternative habe ich dann in einem Orange Pi Zero 2 W gefunden, der insbesondere bei AliExpress sehr günstig zu bekommen ist. Ist hierzulande kaum bekannt, aber preislich mit dem Raspi nahezu identisch, nur deutlich besser ausgestattet und viel leistungsfähiger. Das Teil war heute, 7 Tage nach der Bestellung im Briefkasten (Warenpost). Ich habe die kleinste Version mit nur 1 GB RAM genommen, da ich keinen Desktop und keine vorinstallierten Apps benötige. Was soll ich sagen? Wow. Das Ding reicht leistungstechnisch teilweise sogar schon die "Non-Desktop-Leistung" eines Raspi Pi 4 heran. Als OS habe ich erst einmal Ubuntu in der Server-Version installiert. Es gibt auch noch nur Debian, Arch usw. auf der Orange Pi-Website als DL. Sogar das RaspiOS gibt es bei Github, muss ich aber noch testen. Klingt jetzt alles nach einem "Werbespot", was? Aber so meine ich das nicht.

    Ein Nachteil, wenn man es so nennen will, ist der eher spartanischere Support für diesen kleinen Rechenknecht. Ein Raspi findet da deutlich mehr Unterstützung, aber so Standardsachen wie Pi-Hole usw. laufen auch auf dem Orange tadellos. Auch ist mein Posting an dieser Stelle nur ein erster Erfahrungsbericht, der keineswegs repräsentativ ist, denn ich habe das Teil ja erst seit 8-9h in Betrieb. Auch die anderen OS-Versionen/-varianten werde ich in den kommenden Tagen und Wochen noch testen.

    Aber (m)ein erstes Fazit an dieser Stelle: Gegen den/einen preislich quasi identischen Raspi Pi Zero 2 W "kackt" dieser gegen das Orange-Pendant einfach ab: Min. doppelt so großer RAM (1-4 GB DDR4) gegenüber nur 512 MB DDR2 beim Raspi, WiFi 5 ac und BT 5 (Raspi WiFi 4 mit 72 Mbit und BT 4), die CPU/SoC 50% schneller, Video in 4K @60 Hz möglich usw. - Und das alles zum quasi gleichen Preis. Da soll doch nochmal einer sagen, dass "China-Eigenproduktionen" nur Schrott sind.

    Also: Wer nach einer Alternative zum Raspi sucht, der dürftte bei der Orange-Serie vielleicht fündig werden. Natürlich gibt es auch sonst noch sher viel mehr Alternativen in Form von Banana, Raxda usw. Jedenfalls werde ich in den nächsten Tagen und Wochen mal weiter berichten, wie denn so meine Erfahrungen mit dem Orange sind.

    Asus Prime B550 Plus | Ryzen 5 5600 | RTX 3060 | 32 GB RAM @3600 | 2x 1 TB NVMe-SSD | 1x 27" FHD | 1x 19" WXGA+ und diverse Audio-HW

  • Ich bin sehr interessiert an deinen Tests. Vor allem wenn du RaspiOS testen solltest. Hintergund ist, ich benutze eine Programm um Fotos über meine Pi zero2w anzeigen zu lassen. Dieses läuft aber nur vorgefertigt als Image auf RaspianOS. Wenn so etwas auch auf dem OrangePi zero 2 w laufen würde wäre das einfach traumhaft.

  • Ich bin sehr interessiert an deinen Tests. (...)

    Ja, aber bitte Geduld, wobei ich den Pi auch nur im "Server-Modus" via SSH/Terminal usw. nutze, also ohne Desktop/GUI, denn ein Desktop-UI mit nur 1 GB RAM... Na ja ;).

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  • Wie erst Spannung aufbauen und dann Geduld? :D Ob mir das gelingt, ich weiß ja nicht.

    Das Image das ich benutze beinhaltet ein Programm mit Namen "Dynaframe Pro". Das hat auch einen sehr abgespeckte GUI. Wenn du mal Zeit und Lust hast das mal auszutesten, ob das so überhaupt lauffähig ist könnte ich dir einen Link dazu geben.

  • Wie erst Spannung aufbauen und dann Geduld? :D Ob mir das gelingt, ich weiß ja nicht. (...)

    Also, auch mein Tag hat nur 24h und zwischenzeitlich gibt es noch andere Dinge zu erledigen und schlafen muss ich auch noch ;).

    An "OS-Versionen" gibt es für den Orange Pi Zero 2 W auf der Orange-HP die Versionen Orange Pi OS (Arch), Ubuntu, Debian, Android Image, Android Source Code und Linux Source Code zum DL. Ich selbst habe bisher erst nur die Ubuntu-Version(en) runtergeladen, die sich (die Ubuntu-Versionen) allesamt auch nochmal in Server-Versionen und Xfce-Versionen für jeweils unterschiedliche Speicherausstattungen/-größen unterscheiden. Es gibt da jeweils Versionen für 1-2 GB RAM, 4 GB RAM und auch speziell für die 1,5 GB RAM-Variante. Da muss man also schon genau hinschauen und darauf achten, was man sich da installiert. Ist halt alles nicht so "locker und flockig" wie bei einem Raspi.

    Also bitte: Ganz entspannt und locker "durch die Hose atmen". Ich bin ja "am Ball", aber mein Leben besteht nicht nur aus Einplatinencomputern und deren Software, gelle ;)?

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  • Noch ein Nachtrag, den ich vergessen habe:

    Beim Raspi kann man mit dem Raspi-eigenen Imager schon beim Installieren/Schreiben des Images auf die SD-Karte, SSD, USB-Stick oder was auch immer im Voraus schon das WiFi einrichten, SSH aktivieren usw., sodass der Raspi nach dem Erststart dann gleich eine WLAN-Verbindung herstellt usw. Das geht mit dem Orange Pi leider nicht. Hier ist quasi zwingend zunächst eine manuelle/physische Verbindung mit einem HDMI-Monitor und einer USB-Tastatur erforderlich. Erst dann lässt sich nach dem Erststart via GUI/Desktop oder Terminal/Konsole die WLAN-Verbindung und ggfs. SSH einrichten, je nach dem, was für ein OS installiert wurde. Das ist echt besch***eiden. Wenn der Orange Pi Zero beim Erststart keinen angeschlosennen Monitor und/oder Tastatur erkennt, dann blinkt die LW-LED dauerhatft und es tut sich nichts weiter. Das ist leider ein echter Nachteil gegenüber einem Raspi, sofern man nicht die erforderliche HW besitzt.

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  • So, nach einigen Tagen der Testerei muss ich zum Orange Pi Zero 2 W sagen: HW = top, SW = flop. Und wo soll ich jetzt anfangen?

    Als OS lassen sich prinzipiell nur die Versionen installieren, die es auf der Orange-HP zum DL gibt, also OrangeOS (Arch), Ubuntu und Debian. Android habe ich nicht getestet. Dabei haben alle Varianten ihre jeweils unterschiedlichen sowie diversen Fehler und Macken, auch nach einem Update via Terminal auf die jeweils aktuelle Version per apt bzw. pacman.

    Debian (Xfce) z. B. läuft richtig flott, aber die Sprachpakete für Deutsch funktionieren nicht bzw. nur zu so 10-20%. Auch die Umstellung diverser Einstellungen in der organgepi-config werden von Debian nicht vollständig übernommen.

    Ubuntu (Xfce) ist, was die Geschwindigkeit betrifft, deutlich langsamer als Debian. Dafür aber werden alle Einstellungen in der organgepi-config anstandslos übernommen. Allerdings dauert unter Ubuntu ein Update/Upgrade via Termial extem lange, so 30-40 Minuten, weil dann auch sämtliche Sprachpakete neu installiert werden, sofern hier eine Änderung vorgenommen wurde. Will man das Update über das GUI durchführen, kommt es nach einigen Minuten zu einer Fehlermeldung, dass das Update nicht durchgeführt werden kann. Das trifft übrigens auch auf Debian zu.

    Das "hauseigene" OrangeOS (Arch) läuft ebenfalls flott, schmiert aber häufig ab (Desktop-Freeze) und ist deshalb keineswegs eine Empfehlung.

    Auch hat der Zero 2 W offenbar ein Problem damit, wenn der SoC bzw. die CPU über einen längeren Zeitraum von 15-20 Minuten unter Volllast läuft, denn dann kommt es ebenfalls zu einem Freeze, obwohl die Temperaturen sich noch durchaus in einem moderaten Bereich von um die 70°C bewegen.

    Ach, ich könnte noch sooo viel mehr schreiben, aber dann würde das hier und jetzt in einen Roman ausarten.

    Mein Fazit: Das Teil ansich ist wirklich gut und klasse, aber es scheitert an der SW, die vom Hersteller wohl auch nicht wirklich so richtig gepflegt wird. Als Repo-Quelle kann man nur den "hauseigenen" Huawei-Server nutzen. Will man andere Paketquellen/PPAs hinzufügen/installieren, kommt es zu einer Fehlermeldung in der Form, dass z. B. einige Schlüssel nicht funktionieren, die Quelle nicht kompatibel ist usw. Der Orange Pi scheint also wohl nur ein Gerät für echte Nerds und Freaks zu sein, die sich auch in Bezug auf Programmierung bis ins Detail auskennen, so "sportlich" formuliert an dieser Stelle.

    Anders gesagt: Ich werde wohl doch bei(m) Raspi bleiben, auch wenn der P/L-technisch unterlegen ist, aber das ist auch ein Jammern auf hohem Niveau.

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  • Ja, der Orange Pi Zero 2 W lies mir ja doch keine Ruhe und ich habe am Wochenende mal weiter damit rumexperimentiert. Das Teil ist doch gar nicht so schlecht, nur muss man bei der Erstinstallation ein paar Dinge beachten bzw. nach meiner Erfahrung eine bestimmte Reihenfolge einhalten, wobei die Debian-Versionen am besten laufen:

    1. Das passende DebianOS, passend zur RAM-Größe des Pi, von der Orange-HP downloaden und das Image anschließend auf die microSD-Karte installieren.

    2. Den Pi Zero 2 W physisch mit einem Monitor und einer Tastatur (LAN oder WLAN) verbinden.

    2. Den Pi mit dem Image erstmals starten und komplett hochfahren lassen, Das dauert so, abhängig von der Geschwindigkeit der SD-Karte, bis zu 5 Minuten.

    3. Das orangepi-config via Terminal oder GUI aufrufen und alle Einstellungen bezüglich WiFi, Sprache, Zeitzone, Tastaturlayout, Auflösung usw. vornehmen.

    4. Den Orange Pi nach Abschluss aller Einstellungen (werden nicht direkt übernommen) neu starten.

    5. Erst jetzt ein Update/Upgrade via sudo apt update && sudo apt full-upgrade vornehmen, nicht schon vorher! Während dieses Updates werden dann u. a. auch nur die ausgewählten Sprachpakete usw. installiert, nicht das komplette Paket, was so 30-40 Minuten dauert.

    6. Nach dem Update nochmals neu starten und sich dann darüber freuen, wie schnell dieser größentechnische "Kaugummistreifen" ist.

    Derzeit läuft auch BOINC als Client problemlos, allerdings suche ich noch nach einer besseren Kühllösung. Soll die SoC-Temperatur, ausgelesen via watch -n 2 sensors mit den beiden Kühlkörpern auch in kurzfristigen Spitzen nicht über 65°C bei 23°C Raumtemperatur steigen, also Δt 40° +/-, dann darf ich in den Berechnungseinstellungen von BOINC nur 2 Kerne mit jeweils max. 50% Auslastung nutzen, also im Prinzip nur 25% der zur Verfügung stehenden Rechenkapazität als Dauerlast (24/7). Muss mal schaun, ob ich da eine Bastellösung - vom Raspi Zero 2 W kommend - zusammenfrickeln kann.

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  • Sodele, was die Kühllösung betrifft, da hat mein "guter Freund" Ali(Express) eine preiswerte Lösung für unter 4 EUR zu bieten:

    Das Teil passt sowohl auf einen Raspi Pi Zero 2W als auch auf einen Orange Pi Zero 2W und kühlt wirklich prima. Den Orange Pi Zero 2 W kann ich damit 24/7 auf allen 4 Kernen zu 60% ausgelastet betreiben und die Temperatur steigt nicht über +/- 60°C bei einer Raumtemperatur von +/- 23°C, also Δt +/- knapp 40°C.

    Ähnlich sieht es beim Raspi Pi Zero 2W aus. Den kann ich sogar 24/7 auf allen 4 Kernen (ohne OC auf 1,2 GHz, das muss ich noch testen) zu 100% auslasten und die Temperatur steigt ebenfalls nicht über +/- 60°C bei einer Raumtemperatur von +/- 23°C. Diese "Auslastungsdifferenz" (Raspi = 100% und Orange = 60%) basiert vermutlich auf der unterschiedlichen Taktfrequenz. Der Orange laüft auf 1,5 GHz und der Raspi auf nur 1,0 GHz.

    Na ja, ich werde mal weiter berichten, wobei - und habe ich das schon mal erwähnt? - der Raspi 2W unter Debian 12 ("Bookworm") so seine Verbindungsprobleme zu/mit der neuen AVM-Fritte 6670 hat, aber das ist ein anderes Thema.

    ------------------------------

    Edit/Nachtrag/Ergänzung: Zum OC des Raspi 2W auf 1,2 GHz kann ich an dieser Stelle schon weitere Daten liefern: Auf 1,2 GHz, also 20% mehr Leistung, übertaktet mit:

    over_voltage=2 , arm_freq=1200 und core_freq=500

    in der config.txt sowie alle Kerne weiterhin zu 100% ausgelastet, da kommt der kleine Rechenknecht nach 15-20 Minuten schon an/um die 66-70°C bei 22°C Raumtemperatur ran. Ist für mein Empfinden immer noch ok, aber mehr als dauerhafte 70°C sollte man dem SoC im 24/7-Betrieb dann doch nicht zumuten.

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    Edited once, last by Klaang (May 26, 2024 at 3:48 AM).

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