Cloudron im Test und Vergleich mit Yunohost

  • Hallo zusammen


    Obwohl ich großer Yunohost Fan bin, habe ich meine aktuelle Auszeit (krank wegen Rücken) genutzt, um mir mal andere "Server-Verwaltungen" anzusehen. Dabei bin ich auch auf Cloudron gestoßen, welches mir außerordentlich gut gefällt.


    Da an der Stelle vielleicht einige raus wären, eine wichtige Info direkt am Anfang: Cloudron ist kostenpflichtig und kann nur mit maximal 2 Apps kostenlos betrieben werden. Wer es einfach nur mal so mit mehr als 2 Anwendungen laufen lassen will, zahlt dafür 30 EUR monatlich! Wenn man sich dafür entscheidet und quasi für ein Jahr abonniert, drückt man den Preis auf 15 EUR monatlich. Das ist für einige sicherlich kein Pappenstiel - auf der anderen Seite bekommt man aber eben auch verdammt viel. Wenn man aber überlegt, dass man eine solche Software vermutlich eher erwirbt, um damit professionell zu arbeiten und vielleicht sogar für eine Firma ganz einfach verschiedene Serverdienste betriebt, sind das im Prinzip schon wieder Peanuts. Sei es drum - mir ist es die 15 EUR wert.


    Wer einfach nur schnell, einfach und sicher Apps wie Wordpress, Mastodon, Nextcloud, etc selbst hosten will, der greift einfach zu Yunohost. Ich zähle euch jetzt hier aber einfach mal die Dinge auf, die man für das Geld dann halt zusätzlich bekommt, wenn man Cloudron einsetzt. Das bedeutet aber nicht, dass Cloudron grundsätzlich besser ist - ist es nicht. Man bekommt halt einfach für etwas mehr Geld auch etwas mehr geboten.


    GUI:


    Gefällt mir etwas besser als bei Yunohost - dürfte bei einem kommerziellen Produkt aber auch nicht verwundern.




    Shop/Store



    Im Prinzip ist die Auswahl ähnlich wie Yunohost - optisch halt nur etwas ansprechender gestaltet.



    Navigation:



    Hier nehmen sich beide nichts und es ist übersichtlich, leicht verständlich um man findet sich gut zurecht.



    Nun aber zu den Vorteilen, die ich feststellen konnte:


    Installation mit Subdomain


    In Cloudron kann ich die Anwendungen durchstöbern und wenn mir eine zusagt, mit einem Klick die Installation anstoßen. Hierbei kann ich dann direkt eine Subdomain oder Domain angeben. Diese wird erstellt, eingerichtet, ein Zertifikat besorgt und installiert und dann die Anwendung installiert. In Yunohost muss ich hier zunächst wieder raus aus dem Katalog und in die Domainverwaltung. Dort erstelle ich zunächst die Domain. Dann gehe ich in die Funktion zur Analyse des Servers. Hier laufen nun einige Tests ab und es wird unter anderem die Verbindung getestet, ob DNS richtig gesetzt sind, usw. Erst wenn das geschehen ist, kann ich wieder zurück in die Domainverwaltung und ein Zertifikat beantragen. Wenn dieses installiert ist, gehe ich zurück in die Anwendungsverwaltung und installiere die gewünschte App in der gewünschten Subdomain. Da gefällt mir halt die "alles mit einem Klick"-Lösung von Cloudron sehr gut.




    Nutzerverwaltung durch die Apps


    Yunohost setzt durchgehend auf LDAP. Das hat den großen Vorteil, dass ich eine einzige Anmeldung/Login benötige und mich damit dann in allen Apps anmelden kann. Bin ich also auf dem Server angemeldet, bin ich automatisch in Nextcloud angemeldet, in Mastodon, in Wordpress, usw.


    Das wird allerdings dann zum Nachteil, wenn ich eine "klassische" Anmeldung benötige, die nicht auf LDAP basiert. Das ist zum Beispiel ein Problem unter Mastodon. In Yunohost habe ich keine Möglichkeit, in eine andere Instanz umzuziehen, was dann leider total gegen die Idee hinter dem Fediverse geht. Ist natürlich ein rein technisches Problem - aber es ist halt eins. Umzug ist so nicht ohne Weiteres möglich.


    Unter Cloudron habe ich nun die Möglichkeit, eine App ins das System mit LDAP einzubinden - oder aber es dieser einfach selbst zu überlassen.




    Volumes


    Ich kann unter Cloudron mit Volums arbeiten und hier zusätzliche, externe oder auch Remote-Speicher einbinden. Wenn diese eingebunden sind, habe ich zudem verschiedene Möglichkeiten, diese den Apps zur Verfügung zu stellen. Ich kann eine App komplett in einem anderen Storage laufen lassen - oder aber diesen bzw einen Unterordner davon innerhalb der App/Container zu mounten. Dadurch ist es dann auch möglich, dass verschiedene Apps auf die selben Daten zugreifen können. Ich kann z.B. eine Musik-Bibliothek in Nextcloud speichern und hochladen - dann aber mit einem Mediaserver auf diese Lieder zugreifen.




    Mailserver


    Einen relativ guten Mailserver mit verschiedenen Frontends bietet auch Yunohost. Dort lässt sich auch bequem ein rspamd Frontend installieren. Cloudron bietet hier noch ein paar zusätzliche und sehr bequeme Optionen. Eine davon ist catch-all, was es unter Yunohost nicht gibt. Sicher nicht für alle interessant - ich nutze es aber intensiv. Ich habe mir nämlich angewöhnt, für verschiedene Dienste auch verschiedene Adressen zu nutzen. Also netflix@ amazon@ telekom@ usw.


    Wenn dann irgendwo Spam ankommt, sehe ich sofort, wer dafür verantwortlich ist und blockiere die Adresse. Mir ist es nun lieber, schwarze Schafe zu blocken - statt alle zu blocken und nur mit Alias-Whitelist zu arbeiten. Ich blockiere also lieber 2 oder 3 Adressen, statt 50 oder 60 Aliase anlegen zu müssen. Außerdem kenne ich gar nicht mehr alle jemals angegebenen Adressen auswendig.





    Aktuellere Versionen


    Kein wirklich großes Problem und eigentlich auch nicht verwunderlich. Während Yunohost freiwillige Maintainer hat, die auch nicht unbedingt immer die neueste Version als notwendig erachten und sich lieber auf Fixes konzentrieren, hat Cloudron halt bezahlte Mitarbeiter. Da gibt es dann schneller mal Funktionsupdates und Versionssprünge.


    So ist Nextcloud unter Yunohost z.B. auf Version 22, während man bei Cloudron bereits auf 24 setzt.





    Umfangreicheres Backup-System


    Yunohost beherrscht Backups und macht diese mMn auch sehr gut. Zudem gibt es die Möglichkeit, dort Restic oder Borgbackup nachträglich zu installieren. Die eingebaute Backup-Funktion kann man im Umfang anpassen - sie legt diese dann aber immer unter /home/yunohost.backup/archive ab.


    In Cloudron kann ich hier weitere Einstellungen vornehmen und auf eine Vielzahl von Möglichkeiten zugreifen. Auch automatische Backups sind kein Problem. Ich kann diese auch anpassen und Apps ausnehmen.





    An der Stelle nochmals der Hinweis, dass dies kein "warum Cloudron besser ist als Yunohost" ist. Es ist halt nur so, dass man für das Geld einfach noch ein paar Dinge zusätzlich erhält. Ob man diese benötigt und sie dann auch das Geld wert sind, muss jeder selbst wissen. Wenn jemand noch Hardware rumstehen hat und man einfach nur (relativ) kostenlos selbst hosten möchte, würde ich nach wie vor Yunohost empfehlen. Cloudron empfehle ich dann allen, die eben noch etwas mehr wollen, vielleicht noch nen Gameserver dazu laufen lassen möchten oder generell die oben genannten Funktionen.


    PS: Cloudron läuft aktuell auf Ubuntu 20.04 - Yunohost auf Debian 11 (hier geht der Punkt für mich an Yunohost :D )

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