Open Source / kostenlose Software

  • Hallo zusammen,

    ich habe mal eine Verständnisfrage. Ich höre immer wieder ein Argument, das für Linux spricht: Es ist Open Source und somit kostenlos. Das findet man auch ganz oft in Videos etc.

    Allerdings habe ich hier ganz viele Fragezeichen beim Thema "kostenlos". Ja, ich finde es auch schön, dass die Software kostenlos ist, natürlich. Aber ich finde, dass in einigen Videos / Beiträgen die 0 EUR als zentrales Argument genommen weren und das finde ich eigenartig. Ich frage mich: Wie soll das Geschäft mit Software denn funktionieren, wenn alles Open Source und kostenlos ist? Ist das nicht genau das Problem von Linux: Wir haben weniger professionelle Software unter Linux als unter Windows weil wir weniger kommerzielle Unternehmen haben, die für Linux entwickeln? Die würden das aber ja nicht kostenlos bereitstellen, weil sonst würden sie gar nicht existieren können.

    Also ich frage mich einfach: Ist das nicht ein eigenartiger Anspruch zu erwarten, dass Software kostenlos sein muss? Und dann verstehe ich aber wiederum nicht, wie Open Source als Geschäftsmodell funktionieren soll. Klar, man kann Beratungsleistung zur Software anbieten, aber das skaliert natürlich viel schlechter als Lizenzgebühren.

    Vielleicht ist es eine völlig alberne Frage, aber ich verstehe es wirklich nicht :D Ich hätte nämlich gesagt, dass genau das Problem von Linux ist, dass der Anspruch ist, dass alles Open Source / kostenlos sein soll. Dadurch ist es für Unternehmen auch gar nicht so interessant (zusätzlich zum geringen Marktanteil) Software für Linux zu entwickeln, weil wenig Bereitschaft vorhanden ist Geld auszugeben, und damit bekommt aber Linux auch nicht mehr Marktanteil, weil die professionelle Software fehlt.

    Hoffe, es ist verständlich was ich meine. Mich würde sehr Eure Meinung interessieren. Gerne auch Links zu Blogs / Videos wenn Ihr meint, dass das irgendwo anders eigentlich gut erklärt wird.


    Danke Euch :)


    Mike

  • Mal als ersten Ansatz:

    Open Source heißt zuerst: Der Quellcode ist offen einsehbar, darf genutzt, verändert und weitergegeben werden, oft ohne Lizenzgebühren pro Nutzer oder Gerät.

    Die meisten Open‑Source‑Lizenzen verbieten Lizenzgebühren für die reine Nutzung des Programms, deshalb kannst du die Software meist ohne klassische Lizenzkosten herunterladen und einsetzen.

  • miketech

    Genau so schaut es aus. Das ist auch der Grund, wieso Linux Windows niemals das Wasser reichen wird. Professionelle Software kostet Geld, ob in der Entwicklung, in der Medizin usw.. Ein Hard- und Software-Unternehmen wie z.B. Matrox, das auf den medizinischen Bereich spezialisiert ist, entwickelt Produkte ausschließlich für Windows. Wieso sollte man auch Millionen von Dollar in Linux investieren, wenn kein Krankenhaus Linux nutzt oder viele es kostenlos erwarten? Und dann noch Open-Source? Never!

  • Die Diskussion gibt es immer wieder. Das Problem ist im Grunde nur der "Consumer Bereich" im professionellen Bereich stellt sich das nicht. Hollywood arbeitet oft mit Blender für 3D Animtionen. Eine OpenSource Software.

    Und die finanzieren sich über ein 3-Säulen Prinzip:

    Es gibt Blender Supporter die pro Jahr 240'000 Dollar bezahlen müssen. Dort findet man Unternehmen wie Epic Games, Unity, AMD, Nvidia, Netflix, etc

    Weil die alle wissen, dass das günstiger ist als selber so eine Software zu entwickeln oder sowas einkaufen zu müssen.

    Dann gibt es noch Blender Studio: Das ist ein Abo Modell für rund 12 Dollar / Monat. Wo man professionelle Kurse für die App belommt, und professionelle Assets die man nutzen kann.

    Und als dritte Säule noch Spenden. Und daran sieht man Finanzierung von OpenSource funktioniert immer dann wenn Unternehmen ein Interesse an dieser Software haben. Weil die dafür bezahlen.

    Ich meine Red Hat machte 2023 rund 6 Mrd, 2024 rund 7 Mrd und 2025 rund 7Mrd Dollar Umsatz und das nur mit OpenSource Software.

    Sie funktioniert bei Privatkunden weniger - gerade auch weil immer alles als kostenlos beschriftet wird. Und nur die wenigsten effektiv für die Projekte spenden oder bereit sind für Software zu bezahlen.

  • Professionell hat nichts mit Open oder Closed Software zu tun.

    Kommerzielle Closed Source Software gibt es hier und da auch für Linux, mit größerer Verbreitung würde das auch mehr werden.

  • Das sehe ich anders und es gibt eine Trendwende in der Entwicklung von OpenSource Software.

    OpenSource bedeutet nicht unprofessionell. An OpenSource Lösungen werden immer höhere Anforderungen gestellt und der Trend geht dahin immer mehr professioneller zu sein. Diesen Anspruch habe an mich selbst und meine Software auch.

    Ja es ist aufwendiger, braucht mehr Zeit, viele Tests. Da hilft auch KI an der Seite.

    Wie verdient man mit OpenSouce Geld, oder deckelt die Kosten.

    Viele entwickelen als Hobby.

    Dann gibt es Spenden und Sponsoren.

    Im professionellen und Enterprise Bereich wird Geldverdient durch Service, Wartungsverträgen und Support.

    Dann gibt es geschlossene Gemeinschaften (KundenStamm) die nutzen alle die gleiche Software sehr unterschiedlich. Ein Kunde finanziert die nächste Funktionalität und alle anderen profitieren davon.

    Dann gibt es das Modell Community / Pro / Enterprise. Alles was an Entwicklung bezahlt wird fließt in die Communityversion und alles was über die Community kommt fließt in die Pro und ENterprise-Entwicklung.


    Es gibt als sehr unterschiedliche Geschäftsmodell. Schulung habe ich noch gar nicht erwähnt.

    Öffentliche Investitionen in OpenSource für Verwaltung und Steuerung.

    Static Badge GitHub-Projekte Static Badge

  • Wir haben weniger professionelle Software unter Linux als unter Windows weil wir weniger kommerzielle Unternehmen haben, die für Linux entwickeln?

    Dass trifft wie schon Mal geschrieben nur auf den Desktop Markt zu. Es gibt einen Grund warum im Server Bereich über 80% auf Linux/BSD also Open Source laufen.

    Viele Webseiten könntrn sich vermutlich nicht Mal die Webserver Software leisten bzw wäre es sehr teuer wenn man nach aufrufen bezahlen müsste.

    Und dass ist ja nur ein Baustein für Webseiten, man benötigt nicht nur einen Webserver sondern PHP, Datenbank, Cache Software, CMS Systeme, Backup Software und was man sonst noch so verbauen möchte.

    Webserver ist jetzt aber nur ein Teilbereich es gibt noch so viel mehr dass ohne Open Source vermutlich nicht bezahlbar wäre.

    Dass ist der Vorteil hinter der Open Source Community, jeder gibt wass er kann, der eine spendet, der andere arbeitet an der Software mit und der dritte moderiert auf einer git Seite. Aber alle profitieren von den Projekt.

    Es gibt auch Closed Software für Linux, hier fehlt aber leider noch etwas dass Angebot, da viele immer noch nur für Windows und z. B iOS anbieten.

    Edited once, last by faxxy (February 25, 2026 at 5:03 AM).

  • (...)

    Vielleicht ist es eine völlig alberne Frage, aber ich verstehe es wirklich nicht :D Ich hätte nämlich gesagt, dass genau das Problem von Linux ist, dass der Anspruch ist, dass alles Open Source / kostenlos sein soll. Dadurch ist es für Unternehmen auch gar nicht so interessant (zusätzlich zum geringen Marktanteil) Software für Linux zu entwickeln, weil wenig Bereitschaft vorhanden ist Geld auszugeben, und damit bekommt aber Linux auch nicht mehr Marktanteil, weil die professionelle Software fehlt.

    Hoffe, es ist verständlich was ich meine. Mich würde sehr Eure Meinung interessieren. Gerne auch Links zu Blogs / Videos wenn Ihr meint, dass das irgendwo anders eigentlich gut erklärt wird.

    (...)

    In den meisten Bereichen ist das unter Windows aber nicht anders. Viele "Tools" sind dort free, freeTrial, Shareware oder an einen Hardwarekauf gebunden. OBS, VLC, LibreOffice, diverse Virenscanner und Screenrecorder kosten da auch nichts und werden semi-professionell oder professionell genutzt. Das beste Beispiel ist wohl tatsächlich Blender, aber selbst Nischen-Produkte wie beispielsweise MAME setzen hohe sechsstellige Beträge um.

    Man kann also eigentlich sagen, dass nur, weil man etwas kaufen undd/oder lizensieren muss, dies weder ein Gesichtspunkt für Professionalität ist, noch kann man sagen, dass OpenSource nicht professionell sein kann.

    Ausserdem sind die "großen" wie Red Hat, Canonical usw. durchaus in der Lage, am Markt zu bestehen, und zwar auch nicht anders wie Microsoft: das Geld bringt nicht das Desktop-Bestriebssystem. Das wird in anderen Bereichen gemacht.

    *MSI Raider GE66 UGS* -Intel Core I7 12700H- *16 GB RAM* -NVIDIA Geforce RTX 3070Ti Laptop GPU-

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  • Ja das immer nur auf das kostenlos verwiesen wird ist echt Kontraproduktiv.

    Ich kann mich noch erinnern wie ich Anfang der 10er Jahre selbst in den Communitys verschiedener Distros, für Blöd erklärt würde wenn ich erwähnte das ich regelmäßig für die von mir genutzte Distro spenden!:rolleyes:

    Das hat sich zwar ein bisschen gebessert, aber wenn ich es heute erwähne wird oft nur mit den Schultern gezuckt, und es kommt einen Antwort ala "kannst Du ja machen, aber ich brauch das nicht".

    Nunja, ich habe jedenfalls kein Problem damit monatlich für die Projekte (Programme) die für mich wichtig sind zu Spenden.

    Und zum Ende des Jahres auch, mal für Projekt die für mich nicht so wichtig sind, die ich für Linux als Grundlage aber für wichtig halte.

    Rege dich nicht über Andere auf!, das Leben ist zu kurz dafür!

    Meine Systeme:

    Produktiv System: GMKtec NucBox K8 Plus Mini PC AMD Ryzen 7 8845HS 96GB RAM 780M GPU mit CachyOS KDE6

    HTPC: Intel NUC mit Q4OS mit KDE an UHD Fernseher

    Gamesystem: Steamdeck LCD mit 512GB SSD mit Dockingstation und XQHD Monitor.

  • Und zum Ende des Jahres auch, mal für Projekt die für mich nicht so wichtig sind, die ich für Linux als Grundlage aber für wichtig halte.

    Sehr gute Idee. Hätte bei xz auch gut getan.

    Am besten wäre eine Liste der unbekannten Progs die Linux am laufen halten.

  • Es gibt aber auch genug Leute die einfach nichts spenden können, trotzdem aber einen PC und open Source Software benutzen möchten.

    Führt für mich auch in die falsche Richtung, wer spenden möchte schön und gut, aber es muss jetzt nicht jeder aufzählen dass er spendet. Außerdem gibt es noch genug andere Möglichkeiten zu helfen.

    Ich weiß auch nicht was xz (oder z.B. curl) jetzt damit zu tun hat, xz war eine geplante Aktion da kann man spenden soviel man will, wenn der maintainer andere "Ideen" hat setzt er sie um.

  • Ich weiß auch nicht was xz (oder z.B. curl) jetzt damit zu tun hat, xz war eine geplante Aktion da kann man spenden soviel man will, wenn der maintainer andere "Ideen" hat setzt er sie um.

    Das war als Beispiel gedacht und das nicht jeder spenden kann ist mir auch klar.

  • Ich habe noch nie für Software oder irgendwelche Projekte gespendet, und daran wird sich auch nie etwas ändern. Wenn ich eine Anwendung brauche (bisher nur für Windows), kaufe ich sie mir einfach. Ob nun Open Source oder Closed Source, ist mir egal, sie muss zuverlässig funktionieren und ihren Zweck erfüllen. Somit bezahle ich den/die Entwickler auf direktem Wege.

  • Ich würde wahrscheinlich mehr Spenden, aber viele Projekte haben nur Paypal als Spendenmöglichkeit. Deshalb Spende ich nur an KDE Plasma die einen Deutschen Verein haben der ein Deutsches Bank-Konto besitzt.

    Kurze Frage: Ist es nicht auch bei Paypal so das beim Spenden gebühren anfallen? Bitte nur kurz Antworten wenn ihr es wisst und nicht über Paypal an sich sprechen.

  • Servus zusammen,


    erstmal vielen Dank, tolle Beiträge! Und tatsächlich bin ich bei zwei Aussagen nachdenklich geworden:


    1) Ja stimmt, auf Serverseite ist das eigentlich normal, dass wir mit Open Source Software arbeiten und die Software ist hoch professionell. Finanziert wird das natürlich über die großen Player, die sich dann die Enterprise Versionen / Support etc. leisten und ganz viel Freiwilligenarbeit.

    2) Tatsächlich nutzen wir unter Windows ja auch gerne kostenlose Software. Notepad++, Obsidian (nicht Open Source)...


    So gesehen muss man wirklich trennen zwischen Open Source und kostet oder kostet nichts.

    Trotzdem verstehe ich nicht, wieso jemand überhaupt sein Produkt Open Source bereitstellt, wenn er über Lizenzen doch gut Geld verdienen könnte. Ist das Ziel die Verbreitung zu fördern (also sehr unternehmerisch gedacht) oder Überzeugung.. vermutlich ein Mix aus ganz Vielem. Aber man verliert ja gefühlt etwas die Kontrolle, auf der anderen Seite vielleicht auch ein Qualitätsmerkmal. Wer schlimmsten Code produziert hat, wird das vermutlich nicht Open Source stellen :D


    Mike

  • Linus Torvalds wurde mal gefragt ob er bereut Linux unter einer Open Source Lizenz veröffentlicht zu haben. Er meinte Linux wäre niemals dort wo es heute ist wenn es als Geschlossenes System entwickelt worden wäre und dann der Satz: Kein Mensch hätte das genutzt.

    Trotzdem verstehe ich nicht, wieso jemand überhaupt sein Produkt Open Source bereitstellt, wenn er über Lizenzen doch gut Geld verdienen könnte.

    Um ein Proprietärs großes Projekt zu verwirklichen sind mengen von bezahlten Entwicklern nötig, man hat die ganze zu bezahlende Arbeit aber auch den ganzen monetären Verdienst.

    Aus Projekten mit MIT Lizenz kann wieder ein proprietäres Projekt gemacht werden. Aus Projekten mit GPL nicht, denn dann müssten alle die jemals Beigetragen haben dem zustimmen oder deren Code entfernt und neu geschrieben werden. Das war unlängst der Fall bei irgendwas mit einem Game-Emulator, wo sowieso schon 99% des Codes vom Initiator des Projekts stammten. Bei Große Projekten sehe ich das nicht als Möglichkeit.

  • (...)

    So gesehen muss man wirklich trennen zwischen Open Source und kostet oder kostet nichts.

    Trotzdem verstehe ich nicht, wieso jemand überhaupt sein Produkt Open Source bereitstellt, wenn er über Lizenzen doch gut Geld verdienen könnte. Ist das Ziel die Verbreitung zu fördern (also sehr unternehmerisch gedacht) oder Überzeugung.. vermutlich ein Mix aus ganz Vielem. Aber man verliert ja gefühlt etwas die Kontrolle, auf der anderen Seite vielleicht auch ein Qualitätsmerkmal. Wer schlimmsten Code produziert hat, wird das vermutlich nicht Open Source stellen :D

    (...)

    Da stellt sich wieder die Frage nach dem Gesamtbild.

    Könnte ich beispielsweise über Spenden mehr einnehmen als über einen echten Verkauf? Brauche ich für Professionalität vielleicht einen Verwaltungsapparat, den ich gar nicht will, oder Leute, die mir Druck w#hrend der Entwicklung lassen? Und manchmal dient ein freies, kostenloses Objekt auch entweder als kleine Marketingstrategie, Testballon oder wird sowieso als Unterbau für eine andere, meinetwegen "professionelle" Soft- oder Hardware benötigt, aber der Aufwand für eine Vermarktung wäre zu hoch.

    Alleine schon die Kombination aus Valve/Steam -> Wine -> Proton -> SteamDeck zeigt doch, dass es quasi eine Win/Win/Win/Win-Situation geben kann, in dem am Ende sogar zusätzlich der Kunde gewinnt.

    *MSI Raider GE66 UGS* -Intel Core I7 12700H- *16 GB RAM* -NVIDIA Geforce RTX 3070Ti Laptop GPU-

    *1 TB SSD* -512 MB SD- *17" QHD 240 Hz interner Monitor* -27" FHD Samsung externer Monitor- *SteelSeries Arctic Nova 7 Wireless Headset*

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