Hallo zusammen
Ich schaue ja gerne mal über den Tellerand und teste Alternativen. Da ich sowieso ein iPhone und ein iPad verwende, habe ich mir einen Mac Mini in der Basisversion zugelegt und schaue, ob ich damit die kleinen Löcher stopfen kann, die Linux mich nicht so ganz schließen lässt. Entschieden habe ich mich für den Mac Mini mit M4 Prozessor, 16GB RAM und 256GB Speicher.
Eines vorweg: Auf meinem "Haupt- und Gamingsystem" wird auch weiterhin Linux laufen (aktuell GuideOS) und der Mac ergänzt halt mein Setup Zuhause.
Gekostet hat mich das Teil 500 EUR, wobei ich sagen muss, dass ich noch einen Gutschein von Amazon hatte. Ansonsten wären es 580 EUR gewesen. 580 EUR ist also der reguläre Preis und ich muss sagen, dass ich dafür eine ganze Menge geboten bekomme. Man sagt Apple ja immer nach, dass sie PR besonders gut können und halt damit verbunden extrem hohe Preise. In dem Fall muss ich aber sagen, dass ich 580 EUR für die Kiste als absolut angemessen empfinde. Ich bekomme eine 10-Core CPU mit einer ebenfalls 10-Core-GPU. Dank Apple Intelligence geht es auch bei 16GB RAM erst los.
Das Teil hat WiFi 6e, GBit Ethernet (auf Wunsch und Mehrpreis 10 statt 1), Bluetooth, 5x USB-C und drei davon sind Thunderbolt 4 Ports. Den relativ kleinen Speicher habe ich mit einer 4TB NVMe via Thunderbolt erweitert. Dazu habe ich mir ein gut passiv gekühltes Gehäuse zugelegt, welches wie gesagt via Thunderbolt angeschlossen wird. Im aktuellen MacOS kann man sowohl das gesamte System, als auch lediglich das Home-Verzeichnis auf externen Platten installieren. Da es dabei aber Einschränkungen geben kann, wenn das System extern läuft (Zugriff durch Apple Intelligence z.B.), habe ich mich entschieden, nur meine Programme von der NVMe laufen zu lassen und das eigentliche System weiterhin "intern". Zudem nutze ich iCloud, wodurch mir quasi intern zusätzliche 1 TB zur Verfügung stehen, die keinen Platz wegnehmen, so lange nicht zugegriffen wird. Da ich Glasfaser habe und mit mehr als 1 GBit angebunden bin, bemerke ich davon ehrlich gesagt nichts. Alles öffnet sich mehr oder weniger in Echtzeit und es gibt kaum Ladezeiten. Vermutlich hält das System gewisse Dateien auch einfach in einem Cache vor.
Laut Fritzbox bin ich mit 1,7 GBit verbunden:
Ich habe aktuell noch 138GB internen Speicher frei, muss aber dazu sagen, dass ich die vorinstallierten Apps noch nicht entfernt oder verschoben habe. Garage Band, Freeform, die ganzen Apple Office Programme, iMovie, Apple TV usw belegen also allesamt noch internen Speicher. Ich kann sie bei Gelegenheit aber einfach auch deinstallieren und auf der 4TB neu installieren. Dann wäre noch mehr Platz frei.
Einer der Gründe, weshalb ich dem Zwerg ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis attestiere ich die Leistung des Systems. Hier mal ein aktueller Geekbench 6 Benchmark:
Zum Vergleich dazu mal mein Gaming-PC mit Ryzen 9 7900X:
Reine CPU-Leistung hat der Mac Mini also mehr, als mein "Großer", bei dem alleine die CPU damals 400 EUR oder mehr gekostet hat. Rechne ich noch Board, RAM, Lüfter, Laufwerke, etc dazu, liefert der Mac Mini also sogar mehr Leistung bei geringerem Preis.
Hier die Werte der externen 4TB NVMe:
Nun sprach ich ja eingangs davon, hier ergänzend zu Linux das Teil zu verwenden, da ein kleiner Teil an Funktionen sonst nicht abgedeckt werden kann. Ein Teil davon ist selbstverständlich auf das Apple Ökosystem zurückzuführen, auf welches man sich dann natürlich einlassen muss. Ich würde da allerdings nicht von einem Lock-In sprechen, da man mittlerweile die ganzen Daten relativ einfach mitnehmen kann, wenn man denn gehen möchte.
Zu erwähnen wären hier das sehr einfache Teilen von Dateien untereinander. Das gilt für Veränderungen in den Notizen, Kalender, Erinnerungen, usw. Mache ich das auf einem Gerät, ist es im Prinzip sofort auf allen anderen Geräten. Ich habe zum Beispiel eine gemeinsame Einkaufsliste mit meiner Frau. Setze ich etwas darauf, ist es Instant in der Einkaufsliste auf ihrem iPhone. Kauft einer von uns etwas, ist es auf allen Geräten auch direkt wieder abgehakt. Das ging grundsätzlich auch mit meinem alten Android, allerdings musste ich dort zunächst davx5 installieren, da Android leider von Haus aus kein caldav oder carddav synchronisieren kann. Dann benötigt man zusätzlich eine App zum Anzeigen. Wann immer ich dann im Laden war, musste ich zunächst ein Update in davx anstoßen, damit die aktuelle Liste dann in der Todo-App zu sehen war. Es ging, war aber halt etwas umständlicher. AirDrop ist auch super, da ich direkt gezielt alles an jedes Gerät senden kann. Auch dass ich Texte am iPhone markieren und kopieren und dann am Mac einfügen kann, finde ich echt gut.
Gestern Abend ein Meeting mit dem GuideOS Team und mir wurde direkt angeboten, das iPhone als Webcam am Mac zu benutzen. Auch eine sehr schöne Sache, da ich so keine Webcam kaufen muss.
Was ich bei Linux immer sehr schade finde, ist die fehlende Möglichkeit von Platzhaltern bei Dateien aus der Cloud. Ich kann zum Beispiel Nextcloud, Mega, Google Drive, usw synchronisieren, belege dabei aber immer den entsprechenden Speicherplatz. Am Mac kann ich theoretisch 10 TB an Dateien einbinden und es wird nur das geladen, worauf ich gerade zugreife. Ich kann zudem auswählen, was immer offline vorgehalten werden soll. Zwar gibt es da mittlerweile diverse Lösungen, wie die Online-Konten in Gnome oder das Filen.io Netzlaufwerk, aber halt leider keine übergreifende API oder so, um das generell unter Linux zu ermöglichen. Wird hoffentlich auch irgendwann kommen.
Das Teil hat einen eingebauten Lüfter, den habe ich aber noch nie gehört. Das Teil gibt keinen Ton von sich. Stromverbrauch muss ich noch messen, dieser liegt laut MacTechNews bei 7 Watt im Leerlauf und 13 Watt im normalen Betrieb. Ruhezustand: 1,9 Watt
ComputerBILD hat ihn im Betrieb mit 4 Watt gemessen. Bedenkt man, dass mein "Großer" im Prinzip immer im dreistelligen Bereich läuft (Ryzen 9 7900x, 64GB RAM, RX7800XT, 3x SSD und 2x HDD) ist das schon beachtlich.
Dann muss ich an der Stelle natürlich die Software erwähnen. Das ist sicher ein Punkt, den man Linux nicht ankreiden kann. Die meisten irgendwie kommerziellen Programme werden halt einfach für die breite Masse und somit Windows und an zweiter Stelle Mac veröffentlicht. Da gibt es Programme, die nur auf den beiden Systemen laufen. Das waren bei mir in der Vergangenheit Update-Tools für Navis - ganz aktuell aber auch die Update-Tools für mein Auto. Stellantis bietet hier für Opel, Peugeot, usw an, das System selbst auf den neuesten Stand zubringen - zumindest nicht-kritische Dinge wie Entertainment, Navi, usw. Aber halt "Mac und Win only".
Dann habe ich einen Canon GX2050. Den kann ich grundsätzlich natürlich auch mit Linux nutzen. Auch hier gibt es den vollen Umfang aber nur mit MacOS und Windows. Zugriff vom Scanner auf den Rechner z.B. Ich lege in den automatischen Einzug Dokumente und klicke auf "Scan zu PC". Dann wird automatisch alles als pdf auf den Mac geschoben, ohne dass ich da etwas machen muss. Die Anwendung wartet quasi im Hintergrund und nimmt dann alles entgegen.
Meine Hoffnung ist ja, dass mit steigender Beliebtheit von Linux dann auch weitere API eingeführt werden, die ähnliche Optionen ermöglichen und gleichzeitig mehr Software der großen Hersteller mit vollem Umfang auch für Linux kommen wird. Aber darum soll es hier nicht gehen.
Mein Fazit:
Für 580 EUR (aktuell auch schon für etwas weniger) bekommt man echt hammer Hardware. Ein sehr kleines/kompaktes und trotzdem extrem kraftvolles Gerät. Mehr als genug Leitung für alles, null Geräusche und ausreichend I/O
LG
Boris
PS: Ihr dürft hier gerne über Apple und Mac diskutieren und natürlich auch kritisieren. Aber bitte macht jetzt aus dem Thema keinen Meckerthread, wenn ihr Apple generell nicht mögt oder gar ablehnt. Konstruktive Kritik und sachliche Kommentare sind aber sehr willkommen.