1 1 🔲 OPENBOX (Der König des textbasierten Minimalismus)
2 1.1 🔬 DIE PHILOSOPHIE: SCHNELLIGKEIT DURCH WEGLASSEN
Openbox ist kein vollständiger Desktop wie KDE Plasma oder GNOME. Es gibt standardmäßig keine Taskleiste, keine Desktop-Symbole und kein dauerhaft sichtbares Startmenü. Nach dem Start sieht der Nutzer zunächst nur einen leeren Bildschirm.
Die wichtigsten Merkmale im Überblick:
- Das Root-Menü:
Ein einfacher Rechtsklick irgendwo auf den leeren Desktop öffnet das Hauptmenü, über das Programme gestartet und das System gesteuert werden können. - Extreme Ressourceneffizienz:
Openbox benötigt nach dem Start oft weniger als 50 MB Arbeitsspeicher (RAM). Es läuft selbst auf uralten Systemen absolut verzögerungsfrei. - Das Fundament großer Desktops:
Wegen seiner Stabilität und Flexibilität bildet Openbox das Herzstück bekannter Desktop-Umgebungen wie LXDE oder der bekannten Distribution BunsenLabs Linux. - Volle Standardkomformität:
Es hält sich strikt an die ICCCM- und EWMH-Standards, sodass alle modernen Anwendungen (wie Firefox oder LibreOffice) problemlos und nahtlos darin laufen.
3 1.2 ⚙️ DIE KONFIGURATION: ALLES IN XML
Die gesamte Konfiguration von Openbox erfolgt über einfache Textdateien im XML-Format, die im Home-Verzeichnis unter ~/.config/openbox/ abgelegt sind:
- rc.xml: Hier werden Tastaturkürzel (Keybindings), Maus-Aktionen und das generelle Verhalten der Fenster festgelegt.
- menu.xml: Bestimmt die Struktur und die Einträge des Rechtsklick-Menüs.
- autostart: Ein einfaches Skript, in das Programme eingetragen werden, die beim Systemstart im Hintergrund mitlaufen sollen (z. B. ein Panel wie Tint2 oder ein Hintergrundbild-Tool wie Feh).
QuoteGrafischer Tipp:
Wer XML-Dateien nicht von Hand editieren möchte, greift zu den Werkzeugen ObConf (für optische Themen und Einstellungen) und Obmenu (zum einfachen Bearbeiten des Rechtsklick-Menüs per Oberfläche).
4 1.3 🛠️ INSTALLATION UNTER DEN DISTRIBUTIONEN
Openbox ist so schlank, dass es sich perfekt als alternativer "Notfall-Desktop" oder für ein maßgeschneidertes, minimalistisches System eignet.
Für Ubuntu / Debian / Linux Mint: Code
Für Arch Linux: Code
Für Fedora: Code
Für openSUSE (Tumbleweed & Leap): Code
5 1.4 🔄 PARALLELINSTALLATION NEBEN ANDEREN DESKTOPS?
Im Gegensatz zu Trinity ist die Installation von Openbox neben einer bereits bestehenden Desktop-Umgebung (wie GNOME, KDE Plasma oder Xfce) völlig unbedenklich.
Da Openbox ein reiner Fenstermanager ist, bringt er keine eigenen, doppelten Standardanwendungen (wie Webbrowser oder Dateimanager) mit. Nach der Installation taucht Openbox einfach als Option im Anmeldebildschirm (Display Manager) auf. Wählt man es dort aus, startet eine blitzschnelle, minimalistische Sitzung, in der man ganz normal auf alle bereits installierten Programme des Hauptsystems zugreifen kann. Es ist somit das perfekte, schlanke „Zweitsystem“ für ressourcenintensive Aufgaben.
6 1.5 📝 FAZIT
Openbox ist kein Desktop für jedermann, da er nach der Erstinstallation etwas Einarbeitung in Textdateien verlangt, um ihn optisch und funktionell den eigenen Wünschen anzupassen. Wer sich jedoch darauf einlässt, wird mit einem unzerstörbaren, pfeilschnellen System belohnt. Es verwandelt selbst älteste Rechner in flinke Arbeitsstationen und bietet Power-Usern die maximale Freiheit, sich ihre grafische Oberfläche von Grund auf selbst zusammenzubauen.