1 ⚙️ CALAMARES (Das universelle grafische Installationsprogramm)
1.1 🔬 DIE FUNKTIONSWEISE: MODULAR UND FLEXIBEL
Calamares ist keine eigene Linux-Distribution, sondern ein Framework, das in C++20 und Qt geschrieben ist. Das Besondere an Calamares ist seine strikte Aufteilung in drei Schichten: Die grafische Oberfläche (UI), der Kern (Core) und die einzelnen Module.
Diese Module steuern die typischen Schritte einer Linux-Installation: von der Sprach- und Zeitzonenauswahl über die Benutzererstellung bis hin zur komplexen Partitionierung. Viele dieser Module sind in Python 3 verfasst, was es Entwicklern extrem leicht macht, eigene Funktionen (wie z. B. das automatische Nachladen von proprietären Grafiktreibern während der Installation) einzubinden.
Der historische Grund für Calamares:
Bevor Calamares 2015 (initiiert von Teo Mrnjavac und unterstützt von Blue Systems) das Licht der Welt erblickte, musste fast jede Linux-Distribution ihren eigenen Installer programmieren oder den einer anderen Distribution aufwendig forken. Das führte zu unzähligen fehlerhaften Eigenkreationen. Calamares standardisierte diesen Prozess: Ein Installer für alle, den jeder optisch an sein eigenes "Branding" anpassen kann.
1.2 🛠️ POPULÄRE NUTZER IN DER LINUX-WELT
Calamares begegnet Linux-Nutzern vor allem, wenn sie ein sogenanntes „Live-Medium“ (USB-Stick) booten und auf dem Desktop das Icon „System installieren“ anklicken. Zu den bekanntesten Nutzern gehören:
- Debian: Nutzen Calamares standardmäßig für alle offiziellen Live-Abbilder.
- Arch-Derivate: Manjaro, EndeavourOS und Garuda Linux setzen voll darauf.
- Ubuntu-Derivate: Lubuntu nutzt Calamares anstelle des Ubuntu-Standard-Installers Ubiquity.
- Spezial-Distros: NixOS und KDE Neon.
- openSUSE geht einen eigenen, revolutionären Weg und ersetzt den alten YaST-Installer durch das brandneue Projekt Agama. Agama basiert auf einer modernen Web-Architektur, die es erlaubt, die Installation lokal oder komplett remote über einen Webbrowser zu steuern.
1.3 ⚠️ DIE KLASSISCHEN STOLPERSTEINE: DER 23%-HÄNGER UND DIE PARTITIONS-FALLE
Der berüchtigte Abbruch bei ca. 20% bis 30% / rsync:
Ein Nutzer startet die Installation, doch bei etwa 23% bricht Calamares mit einem kritischen Fehler ab ("Die Partition konnte nicht erstellt werden" oder "rsync Fehler").
Der Grund:
In den allermeisten Fällen liegt das an einem unsauberen USB-Stick oder einem beschädigten ISO-Abbild. Wenn Calamares versucht, die komprimierten Daten des Live-Systems auf die Festplatte zu entpacken und auf einen Lesefehler stößt, bricht das Framework sofort hart ab.
Die Lösung:
- Die Checksumme (SHA256) der heruntergeladenen ISO-Datei zwingend überprüfen.
- Den USB-Stick nicht mit "simplen" Tools flashen, sondern unter Linux bewährte Werkzeuge wie dd im Terminal oder grafisch Ventoy bzw. den Fedora Media Writer nutzen, die die Daten bitgenau schreiben.
Fehlermeldung bei der EFI-Partition / Grub-Installation schlägt fehl:
Ganz am Ende der Installation (meist bei 90% oder mehr) bricht Calamares ab, weil der Bootloader (GRUB) nicht geschrieben werden kann.
Der Grund:
Das passiert, wenn im UEFI-Modus gebootet wurde, der Nutzer aber bei der manuellen Partitionierung vergessen hat, eine korrekte EFI-Systempartition (ESP) anzulegen, oder diese nicht die richtigen Flags besitzt.
Die Lösung:
Bei der manuellen Partitionierung in Calamares muss zwingend darauf geachtet werden, dass die EFI-Partition folgende Werte aufweist:
- Größe: Mindestens 300 MB (empfohlen 512 MB).
- Dateisystem: FAT32
- Einhängepunkt (Mountpoint): /boot/efi
- Markierung (Flags): Das Häkchen bei boot und esp muss zwingend gesetzt sein, damit das UEFI des Mainboards den Bootloader nach der Installation überhaupt finden kann.
1.4 ENTWICKLUNG UND QUELLCODE
Für Entwickler und Neugierige:
Der Quellcode von Calamares wird aktiv von einem distributionsübergreifenden Team gepflegt.
Der offizielle Quellcode-Repository (GitHub): https://github.com/calamares/calamares