1 MATE Desktop Environment (Der treue Klassiker unter den Oberflächen)
Als das GNOME-Projekt damals beschloss, das klassische Design von Version 2 komplett aufzugeben und durch die moderne, für Touchscreens optimierte GNOME Shell zu ersetzen, ging ein Aufschrei durch die Linux-Welt. Ein argentinischer Arch-Linux-Nutzer namens Perba nahm daraufhin den Quellcode von GNOME 2, benannte ihn um (um Konflikte mit neueren GNOME-Paketen zu vermeiden) und hielt die geliebte Oberfläche am Leben.
Heute verbindet MATE die vertraute, unkomplizierte Bedienung von damals mit modernster Technik unter der Haube.
1.1 🔬 Die Kernmerkmale: Warum ist MATE so beliebt?
MATE richtet sich an Nutzer, die einen Desktop wollen, der sich wie ein klassisches Werkzeug verhält und einfach unauffällig seine Arbeit erledigt:
- Das traditionelle Layout:
Standardmäßig setzt MATE auf das bewährte Zwei-Leisten-System. Oben befindet sich das Anwendungsmenü, die Uhrzeit und die Systemanzeige, unten die Fensterleiste zum Umschalten zwischen geöffneten Programmen und die Arbeitsflächen-Umschaltung. - Extrem ressourcenschonend:
MATE benötigt nur einen Bruchteil des Arbeitsspeichers und der Prozessorleistung moderner 3D-Desktops. Es läuft auf absoluten High-End-Workstations fliegend, haucht aber auch älteren Laptops oder Einplatinencomputern (wie dem Raspberry Pi) neues Leben ein. - Keine Experimente bei der Bedienung:
Es gibt keine versteckten Gesten, keine aufgeblähten Animationen und keine ständigen Design-Umbrüche. Wer Windows 98/XP oder Linux vor 15 Jahren bedienen konnte, findet sich in MATE in genau einer Sekunde blind zurecht. - Umfangreiches eigenes Software-Paket:
MATE bringt für alle Standardaufgaben eigene, schlanke Programme mit (die ebenfalls direkt von alten GNOME-Klassikern abstammen):- 📁 Caja: Der leistungsstarke, aber übersichtliche Dateimanager (ehemals Nautilus).
- 📝 Pluma: Ein schneller, schlanker Texteditor mit Syntax-Hervorhebung (ehemals Gedit).
- 🖼️ Atril: Der Standard-Betrachter für PDFs und Dokumente (ehemals Evince).
- 🛠️ Macro: Der unkomplizierte Fenster-Manager.
1.2 🛠️ Installation und Verfügbarkeit
MATE gehört zu den großen Standard-Oberflächen und kann bei fast allen Distributionen bereits direkt während der Systeminstallation als Wunschoberfläche ausgewählt werden. Möchte man es nachträglich auf einem bestehenden System installieren, geht das über die Paketverwaltung:
1.2.1 1. Unter Debian 13 (Trixie) / Ubuntu
(Für ein komplettes System inklusive aller MATE-Zusatzprogramme empfiehlt sich das Paket mate-desktop-environment-extras).
1.2.2 2. Unter Arch Linux / EndeavourOS
1.2.3 3. Unter Fedora Linux
1.2.4 4. Unter openSUSE (Tumbleweed / Leap)
1.3 ⚠️ Die klassischen Stolpersteine
1.3.1 1. "Der Desktop sieht auf meinem modernen 4K-Monitor winzig aus!"
- Die Ursache:
Da MATE seine Wurzeln in einer Zeit hat, als es noch keine extrem hochauflösenden Bildschirme (HiDPI) gab, skalierten die Symbole und Schriften auf modernen Monitoren anfangs nicht richtig mit. - Die Lösung: In den aktuellen Versionen ist die HiDPI-Skalierung voll integriert. Der Nutzer muss lediglich unter System -> Einstellungen -> Erscheinungsbild -> Fenster im Reiter „Schnittstelle“ die Skalierung auf „Automatisch“ oder „2x“ stellen.
1.3.2 2. "Unter MATE flackert das Bild beim Scrollen im Browser oder bei Videos (Tearing)!"
- Die Ursache:
Der standardmäßige Fenster-Manager von MATE (Macro) besitzt auf manchen Systemen mit Nvidia- oder Intel-Grafikkarten keine perfekte Bildsynchronisation (V-Sync). - Die Lösung:
Den moderneren Compiz- oder Marco-Compositor aktivieren. Das geht ganz einfach und ohne Terminal über das integrierte Werkzeug MATE Tweak unter dem Punkt „Fenster“. Dort schaltet man das System einfach auf „Marco (Adaptive Compositor)“ oder „Compiz“ um – danach läuft alles butterweich und ohne horizontales Zerreißen des Bildes.
1.4 ⚠️ WICHTIGER HINWEIS: Weniger ist mehr!
Aus langjähriger Erfahrung im Support und dem Linux-Alltag raten wir dringend davon ab, mehrere große Desktop-Umgebungen gleichzeitig auf einem einzigen System zu installieren!
Auch wenn Linux es technisch erlaubt, beim Anmeldebildschirm zwischen verschiedenen Oberflächen (z. B. MATE, KDE, GNOME) umzuschalten, führt dieser „Mix“ im Hintergrund fast immer zu massiven Problemen:
- 💥 Software-Chaos im Startmenü:
Jede Umgebung bringt ihre eigenen Standard-Programme mit. Plötzlich hast du drei verschiedene Texteditoren, vier Dateimanager und zwei Bluetooth-Manager im Menü, die alle fast gleich heißen. - ⚙️ Konflikte bei den Einstellungen:
Die Hintergrunddienste (Daemons) der verschiedenen Desktops können sich gegenseitig blockieren. Das führt zu Fehlern beim Energiesparmodus, zerschossenen Fenster-Designs oder doppelten Benachrichtigungen. - 🐌 Dateileichen und System-Ballast:
Das saubere Deinstallieren einer kompletten Desktop-Umgebung ist extrem schwierig. Oft bleiben hunderte Megabyte an Bibliotheken und Konfigurationsdateien zurück, die das System unnötig aufblähen.
Unsere Empfehlung: Wenn du eine neue Oberfläche ausgiebig testen möchtest, nutze dafür am besten ein Live-Medium (USB-Stick) oder installiere das System in einer virtuellen Maschine (VM). Auf deinem produktiven Hauptsystem solltest du dich für eine feste Oberfläche entscheiden!