1 ExifTool (Das Schweizer Taschenmesser für Foto-Metadaten)
Das Besondere an ExifTool ist seine Vielseitigkeit: Es unterstützt hunderte verschiedene Dateiformate (nicht nur normale .jpg-Bilder, sondern auch die Rohdaten-Formate großer Kameras wie .cr2, .nef oder .arw).
1.1 📥 1. Wie installiere ich ExifTool?
ExifTool befindet sich in den offiziellen Software-Quellen fast jeder Linux-Distribution und lässt sich mit einem kurzen Befehl im Terminal installieren:
Debian / Ubuntu / Linux Mint:
Arch Linux / EndeavourOS:
openSUSE (Leap & Tumbleweed):
1.2 🔬 Die wichtigsten Alltags-Befehle (Einfach erklärt)
Keine Sorge, du musst kein Terminal-Profi sein. Für den Alltag im Forum reichen drei grundlegende Befehle völlig aus:
1.2.1 Befehl 1: Alle versteckten Daten eines Bildes anzeigen
Möchtest du wissen, was dein Smartphone alles in einem Foto gespeichert hat? Tippe einfach exiftool gefolgt von dem Dateinamen deines Bildes ein:
Was passiert: Dir wird eine übersichtliche Liste im Terminal angezeigt. Dort siehst du das genaue Kameramodell, das Aufnahmedatum und – falls aktiv – die metergenauen GPS-Koordinaten.
1.2.2 Befehl 2: Nur die GPS-Standortdaten löschen
Du möchtest die technischen Kameradaten (wie Blende und Belichtungszeit) im Bild behalten, aber deinen privaten Wohnort (die GPS-Koordinaten) löschen, bevor du das Bild im Forum hochlädst?
1.2.3 Befehl 3: Das Bild komplett "säubern" (Alle Metadaten löschen)
Dies ist die sicherste Methode für deine Privatsphäre. Der Befehl löscht ausnahmslos alle unsichtbaren Zusatzinfos, Texte und Standorte aus dem Foto:
1.3 ⚡ Der Profi-Tipp: Einen ganzen Ordner in einem Rutsch reinigen
Das ist der eigentliche Grund, warum die Linux-Community ExifTool so liebt. Stell dir vor, du hast im Urlaub 50 Fotos gemacht und möchtest bei allen gleichzeitig die Metadaten löschen. Unter Windows müsstest du jedes Bild einzeln anklicken.
Unter Linux öffnest du einfach das Terminal in dem entsprechenden Ordner und tippst diesen Befehl ein:
Das Geniale dabei: Das Sternchen * dient als Platzhalter. Der Befehl schnappt sich alle JPG-Bilder in diesem Ordner und löscht die Daten in Sekundenschnelle auf einmal.
1.4 🛡️ Die eingebaute Sicherheitsleine: Was passiert bei Fehlern?
Viele Nutzer haben Angst, sich mit einem falschen Befehl ihre mühsam geschossenen Urlaubsfotos zu zerstören. Die Entwickler von ExifTool haben hier eine automatische Sicherheitsleine eingebaut:
Wenn du einen Lösch-Befehl ausführst (z. B. exiftool -all= foto.jpg), überschreibt das Programm das Bild nicht sofort. Stattdessen wird das Originalfoto automatisch umbenannt in foto.jpg_original und dient als sicheres Backup. Das gesäuberte Bild wird als neues foto.jpg gespeichert.
- Wenn alles geklappt hat:
Kannst du die Backup-Dateien einfach löschen. Wenn du das Backup behalten willst, aber die Endung stört:
Du kannst ExifTool mit dem Zusatz -overwrite_original anweisen, das Bild direkt ohne Backup zu überschreiben. Das sollte man aber nur tun, wenn man sich ganz sicher ist:
2 Datum und Uhrzeit von Fotos ändern
Wenn die Kamera bei der Aufnahme auf die falsche Zeit eingestellt war, lässt sich das im Linux-Terminal mit ExifTool ganz leicht korrigieren. In den Metadaten eines Bildes ist das wichtigste Zeitfeld meistens das Feld DateTimeOriginal (das Datum der tatsächlichen Aufnahme).
Hier sind die drei wichtigsten Alltags-Szenarien:
2.1 Szenario 1: Ein Foto auf ein exaktes Datum setzen
Du weißt genau, wann ein Foto geschossen wurde, und möchtest das Datum und die Uhrzeit punktgenau manuell eintragen.
Der Befehl:
- Die Schreibweise: Achte darauf, das Datum mit Doppelpunkten (JAHR:MONAT:TAG) zu schreiben, gefolgt von einem Leerzeichen und der Uhrzeit (STUNDE:MINUTE:SEKUNDE). Das Ganze muss in Anführungszeichen stehen.
2.2 Szenario 2: Die Uhrzeit um x Stunden verschieben (Der Zeitzonen-Retter)
Das ist der absolute Klassiker nach einer Urlaubsreise. Du hast vergessen, die Kamera auf die Ortszeit umzustellen, und alle deine Fotos hängen nun beispielsweise genau 2 Stunden hinterher. Du möchtest jetzt bei allen Bildern im Ordner die Zeit um 2 Stunden vorstellen.
Der Befehl, um 2 Stunden vorzustellen (+):
Der Befehl, um 3 Stunden zurückzudrehen (-):
Das Geniale daran: ExifTool ist intelligent. Wenn du ein Foto hast, das am 01. Juni um 23:30 Uhr aufgenommen wurde, und du rechnest 2 Stunden dazu, springt das Datum vollautomatisch auf den 02. Juni um 01:30 Uhr um. Auch Schaltjahre werden fehlerfrei berücksichtigt!
2.3 Szenario 3: Alle Zeitstempel im Bild gleichzeitig korrigieren
In einem Foto wird die Zeit oft an drei verschiedenen Ecken gespeichert (Aufnahmezeit, Digitalisierungszeit und die Zeit, wann die Datei auf der Festplatte geändert wurde). Wenn du gründlich sein möchtest, kannst du mit einer einzigen Abkürzung alle internen Uhren des Bildes gleichzeitig korrigieren:
Alle Zeiten um 1 Stunde vorstellen:
(Der Befehl -AllDates ist eine komfortable Abkürzung, die automatisch die drei wichtigsten Zeitstempel im Foto anpasst).
2.4 💡 Ein nützlicher Tipp: Fotos nach Datum umbenennen
Wenn man die Uhrzeiten aller Fotos korrigiert hat, nutzen viele Anwender ExifTool direkt für den nächsten genialen Schritt: Die Bilddateien vollautomatisch nach dem echten Aufnahmedatum umzubenennen (z. B. von DSC_0123.jpg in 2026-06-09_16-30-00.jpg).
Das schafft eine perfekte Ordnung auf der Festplatte:
(Dieser Befehl liest das korrigierte Aufnahmedatum aus und benennt die Datei exakt danach um. Das %%c sorgt dafür, dass automatisch eine fortlaufende Nummer angehängt wird, falls man in derselben Sekunde zwei Fotos geschossen hat).