1 Wake-on-LAN (WOL / wakeonlan)
Unter Linux bezeichnet wakeonlan gleichzeitig das dazugehörige Kommandozeilen-Werkzeug, mit dem dieses Startsignal von einem PC an einen anderen Rechner im Netzwerk gesendet wird.
1.1 🔬 Wie funktioniert Wake-on-LAN? (Das "Magic Packet")
Wenn ein Computer heruntergefahren wird, schaltet sich das Mainboard nicht komplett ab. Die Netzwerkkarte (sofern per LAN-Kabel verbunden) verbleibt in einem minimalen Stromsparmodus und "lauscht" permanent auf den Datenverkehr im lokalen Netzwerk.
Der aufweckende PC sendet nun ein Magic Packet als Rundruf (Broadcast) in das Netzwerk. Dieses Paket enthält die exakte physische Hardwareadresse (MAC-Adresse) des Ziel-PCs. Sobald die lauschende Netzwerkkarte ihre eigene MAC-Adresse in diesem Paket erkennt, gibt sie ein elektrisches Signal an das Mainboard weiter, und der PC startet hoch, als hätte man den Power-Button gedrückt.
1.2 ⚙️ Voraussetzung 1: Aktivierung im BIOS/UEFI
Damit Wake-on-LAN überhaupt funktionieren kann, muss die Funktion einmalig im BIOS oder UEFI des Rechners aktiviert werden, der aufgeweckt werden soll.
- Die Option verbirgt sich meistens in den Menüs Power Management, Advanced oder ACPI.
- Typische Bezeichnungen der Hersteller sind: Wake on LAN, Power On By PCI-E, WOL, ErP Ready (muss DEAKTIVIERT werden) oder Resume by PME.
1.3 🐧 Voraussetzung 2: Die Linux-Netzwerkkarte vorbereiten (ethtool)
Selbst wenn WOL im BIOS aktiv ist, schalten viele Linux-Distributionen die Funktion beim Herunterfahren aus Energiespargründen standardmäßig ab. Wir müssen der Netzwerkkarte über das Werkzeug ethtool dauerhaft erlauben, auf das Magic Packet zu reagieren.
1.3.1 1. Status prüfen:
Zuerst ermitteln wir den Namen der Netzwerkschnittstelle (z. B. enp3s0 oder eth0) mit dem Befehl ip a. Danach prüfen wir den WOL-Status:
Suche in der Textausgabe nach diesen beiden Zeilen:
- Bedeutet das d (disabled), ist WOL unter Linux aktuell ausgeschaltet.
- Wir müssen es auf g (Magic Packet) umstellen.
1.3.2 2. WOL aktivieren:
Hinweis: Diese Einstellung geht nach einem Neustart verloren. Um sie dauerhaft zu machen, muss sie in den Netzwerkeinstellungen der Distribution (z. B. im NetworkManager unter IPv4/WOL) oder über ein systemd-Service-Skript fest hinterlegt werden.
1.4 📥 3. Das Werkzeug installieren und nutzen
Um nun von einem anderen Linux-PC aus das Startsignal zu senden, installieren wir das schlanke Tool wakeonlan:
Debian / Ubuntu / Linux Mint / openSUSE:
Arch Linux / EndeavourOS:
1.4.1 Der Aufweck-Befehl:
Um den Ziel-PC zu starten, benötigt man lediglich dessen MAC-Adresse (die man im Vorfeld im laufenden Zustand z. B. über den Befehl arp -a oder ip a ausgelesen hat). Der Befehl benötigt keine Root-Rechte:
Ausgabe im Terminal:
Wenige Sekunden später fährt der entfernte Rechner hoch.
1.5 ⚠️ Die klassischen Foren-Stolpersteine bei Wake-on-LAN
1.5.1 1. "Über WLAN funktioniert das Aufwecken nicht!"
- Die harte Realität:
Wake-on-LAN ist historisch für kabelgebundene Netzwerke (Ethernet) entwickelt worden. Zwar gibt es theoretisch Wake-on-WLAN (WoWLAN), allerdings schalten fast alle gängigen WLAN-Karten im ausgeschalteten Zustand des PCs die Funkverbindung zum Router komplett ab. Im Forum sollte daher immer die kabelgebundene LAN-Variante empfohlen werden.
1.5.2 2. Der PC wacht nach dem Herunterfahren sofort wieder auf
Ein extrem häufiges Problem:
Der Nutzer fährt den PC herunter, und nach 2 Sekunden startet er von alleine wieder.
- Die Ursache:
Ein anderes Gerät im Netzwerk (z. B. ein Mediaplayer, der Router oder ein Netzlaufwerk-Scan) sendet permanent Datenpakete, die die Netzwerkkarte fälschlicherweise als Aufwecksignal interpretiert. - Die Lösung:
In der Ausgabe von ethtool darf bei Wake-on: nur das g aktiv sein. Steht dort beispielsweise Wake-on: umbg, reagiert die Karte auch auf normalen Netzwerkverkehr (u = Unicast, m = Multicast). Das muss mit sudo ethtool -s [Schnittstelle] wol g korrigiert werden.
1.5.3 3. WOL funktioniert nach einem Stromausfall nicht
Wird die Steckdosenleiste komplett ausgeschaltet oder gibt es einen Stromausfall, verliert das Mainboard die Restspannung. Die Netzwerkkarte kann nicht mehr "lauschen".
- Der Rat:
- Im BIOS gibt es meist eine Funktion namens Restore on AC Power Loss. Steht diese auf Last State oder Power On, wacht das System nach einem Stromausfall wieder in den Zustand auf, in dem es DMI-Signale empfangen kann.