1 lm-sensors (Hardware-Überwachung unter Linux)
Es dient als fundamentale Datenbasis für viele grafische Überwachungstools (wie KDE Plasma Systemmonitor, Conky oder Hardinfo).
1.1 📥 1. Installation nach Distributionsfamilie
Das Werkzeug ist in den offiziellen Paketquellen fast aller Linux-Distributionen enthalten und lässt sich schnell über das Terminal installieren:
Debian / Ubuntu / Linux Mint:
Arch Linux / EndeavourOS / Manjaro:
Fedora / RHEL:
openSUSE (Leap & Tumbleweed):
1.2 🛠️ 2. Die Ersteinrichtung: Sensoren erkennen (sensors-detect)
Nach der Installation weiß das System oft noch nicht, welche spezifischen Sensor-Chips (z. B. von ITE, Winbond oder Nuvoton) auf dem Mainboard verbaut sind. Daher muss einmalig die automatische Hardware-Erkennung durchlaufen werden.
Befehl im Terminal starten:
Quote💡 Wichtiger Hinweis für den Ablauf:
Das Skript stellt dem Nutzer nun nacheinander mehrere Fragen, ob es bestimmte Bussysteme (ISA, I2C, PCI) nach Sensoren durchsuchen darf.
- Die sicherste Methode:
Jede Frage einfach durch Drücken der [Enter-Taste] (wählt standardmäßig immer das sichere YES) bestätigen.- Ganz am Ende fragt das Skript, ob die erkannten Treiber automatisch in die Konfiguration (z. B. /etc/modules) eingetragen werden sollen, damit sie bei jedem Systemstart laden. Auch hier mit YES / Enter bestätigen.
Danach zwingend erforderlich:
Entweder den PC einmal neu starten oder die erkannten Kernel-Module manuell laden (wird am Ende des Skripts im Terminal angezeigt), damit die Daten fließen können.
1.3 🔍 3. Sensoren auslesen und interpretieren
Sobald die Einrichtung abgeschlossen ist, reicht ein einfacher Befehl ohne Root-Rechte, um den aktuellen Status der Hardware abzufragen:
1.3.1 Praxis-Beispiel einer Terminal-Ausgabe:
k10temp-pci-00c3
Adapter: PCI adapter
Tctl: +41.2°C
nct6687-isa-0a20
Adapter: ISA adapter
VIN0: 1.01 V
fan1: 2303 RPM
fan3: 1150 RPM
Thermistor 1: +39.0°C
1.3.2 Die wichtigsten Werte im Foren-Support verstehen:
- Tctl / Tdie (Bei AMD Ryzen):
Zeigt die aktuelle CPU-Temperatur an. Tctl ist oft ein vom Hersteller künstlich erhöhter Wert, um die Lüftersteuerung aggressiver reagieren zu lassen. - Core 0, Core 1 etc. (Bei Intel):
Listet die Temperaturen der einzelnen physikalischen CPU-Kerne auf. - fanX:
Die Drehzahl der angeschlossenen Lüfter in Umdrehungen pro Minute (RPM). Steht hier 0 RPM, ist an diesem Mainboard-Anschluss kein Lüfter aktiv oder die Drehzahlsteuerung greift gerade voll (Lüfter-Stopp im Leerlauf). - Thermistor X / Diode X:
Das sind die physikalischen Messfühler auf dem Mainboard. Sie überwachen den Chipsatz, die Gehäuseluft oder die VRMs (Spannungswandler). Welcher Sensor wo sitzt, unterscheidet sich je nach Mainboard-Hersteller (oft ist der wärmste Thermistor im Leerlauf der VRM-Bereich).
1.4 🕒 4. Live-Überwachung im Terminal (Der Praxis-Tipp)
Wenn ein Nutzer im Forum Hitzeprobleme beim Gaming oder beim Kompilieren vermutet, nützt ein einzelner Schnappschuss des sensors-Befehls wenig. Man muss die Werte unter Last beobachten.
Mit dem Linux-Befehl watch lässt sich die Ausgabe im Sekundentakt live aktualisieren:
Der Parameter -n 1 sorgt dafür, dass die Anzeige jede Sekunde neu geladen wird. Mit der Tastenkombination Strg + C wird die Live-Überwachung wieder beendet.
1.5 ⚠️ Die klassischen Stolpersteine
1.5.1 1. "Bei mir wird fast gar nichts angezeigt!" (Das Treiber-Problem)
Besonders bei brandneuen Mainboards (z. B. frisch erschienene Intel- oder AMD-Plattformen) kann es vorkommen, dass sensors nur die CPU-Temperatur liefert, aber keine Lüfter oder Mainboard-Werte anzeigt.
- Die Ursache:
Der verbaute Super-I/O-Chip auf dem Board ist neuer als der aktuell verwendete Linux-Kernel. Die Open-Source-Entwickler haben den Treiber noch nicht in den stabilen Kernel integriert. - Rat: Den Nutzer nach seiner Kernel-Version fragen (uname -r). Oft hilft hier bei stabilen Distributionen wie Debian der Wechsel auf neuere Backport-Kernel, um die Hardware-Unterstützung nachzurüsten.
1.5.2 2. Utopische Werte oder "ALARM" bei Grenzwerten
Manchmal listet sensors Werte wie fan1: 0 RPM (min = 1200 RPM) ALARM oder Spannungen mit 0.00 V auf.
- Die Erklärung:
Wenn Grenzwerte im BIOS nicht exakt definiert sind oder ein Lüfterplatz auf dem Board schlicht leer ist, interpretieren die Linux-Treiber dies manchmal falsch und schlagen fälschlicherweise "Alarm". Das kann ignoriert werden, solange die echten, genutzten Komponenten (CPU-Lüfter, Gehäuselüfter) korrekte Werte liefern.