1 smartmontools (S.M.A.R.T. Monitoring Tools)
Das Paket besteht im Wesentlichen aus zwei Kernkomponenten:
- smartctl: Das Kommandozeilen-Werkzeug für die manuelle Diagnose, das Auslesen von Werten und das Starten von Selbsttests.
- smartd: Ein unauffälliger Hintergrunddienst (Daemon), der die Festplatten im Alltag permanent überwacht und den Administrator bei drohenden Fehlern sofort warnt.
1.1 Die Installation:
1.2 Debian
Da das Werkzeug tief in die Hardware greifen muss, sind für alle Befehle Root-Rechte (sudo) erforderlich.
1.3 Arch und darauf basierende Distributionen:
1.4 Fedora (und Red Hat Enterprise Linux / RHEL, AlmaLinux, Rocky Linux)
1.5 openSUSE (Leap und Tumbleweed)
1.6 Die wichtigsten Befehle: (smartctl)
Wenn ein Nutzer meldet, dass sein System "hängt" oder merkwürdige Geräusche macht, solltest du ihn diese Befehls-Kette durchlaufen lassen:
1.6.1 1. Festplatten-Übersicht anzeigen
Bevor man testet, muss man wissen, wie die Laufwerke im System heißen.
1.6.2 2. Der schnelle Gesundheits-Check (Health-Status)
Der einfachste Befehl liefert eine sofortige Einschätzung der Festplatten-Elektronik.
- Ergebnis PASSED:
Die Festplatte meldet intern, dass alles im grünen Bereich ist. - Ergebnis FAILED / PRE-FAIL:
Akute Gefahr! Das Laufwerk hat kritische Grenzwerte überschritten. Sofort Daten sichern und Platte austauschen!
1.6.3 3. Die detaillierte Attribut-Tabelle auslesen
Hier schaut man unter die Haube. Der Befehl listet alle S.M.A.R.T.-Zähler auf.
Quote💡 Die wichtigsten Alarm-Attribute (HDDs):
- ID 5 (Reallocated_Sector_Count):
Wiederzugewiesene Sektoren. Zeigt an, wie viele defekte Bereiche die Platte bereits durch Reservesektoren ersetzt hat. Steigt dieser Wert im Laufe der Zeit, stirbt die Platte gerade einen schleichenden Tod.- ID 187 (Reported_Uncorrect):
Nicht korrigierbare Fehler. Fehler, die nicht mal mehr über die Hardware-Fehlerkorrektur gerettet werden konnten. Ein ganz schlechtes Zeichen.- ID 197 (Current_Pending_Sector):
Schwebende Sektoren. Sektoren, die instabil sind und beim nächsten Schreibversuch weggesperrt werden müssen. Häufige Ursache für System-Freezes.
1.7 🛠️ Festplatten-Selbsttests manuell ausführen
Die Festplatte kann sich im laufenden Betrieb selbst testen, ohne dass die darauf liegenden Daten beschädigt werden. Die Tests laufen komplett im Hintergrund der Platten-Elektronik ab.
Der kurze Test (Short Self-Test):
Prüft die Elektronik, den Schreib-/Lesekopf und die ersten Megabyte der Oberfläche. Dauert meist nur 1–2 Minuten.Der lange Test (Long/Extended Self-Test):
Scannt die komplette Oberfläche der Festplatte Bit für Bit auf Defekte. Dauert je nach Größe der Platte mehrere Stunden.
Die Test-Ergebnisse abrufen:
Nachdem die im Terminal angezeigte Wartezeit abgelaufen ist, kann man das Protokoll des Tests mit folgendem Befehl auslesen:
1.8 🐧 Besonderheit bei modernen NVMe-SSDs
Da Einsteiger oft irritiert sind:
NVMe-Laufwerke nutzen eine völlig andere, modernere S.M.A.R.T.-Struktur als alte SATA-Platten.
Wenn du smartctl -A /dev/nvme0n1 aufrufst, siehst du keine kryptische Tabelle mit IDs von 1 bis 200, sondern eine klar lesbare Textausgabe.
Achte bei NVMe-SSDs vor allem auf diese Zeilen:
- Critical Warning:
Sollte zwingend auf 0x00 stehen. Jeder andere Wert deutet auf Überhitzung oder schwere Elektronikfehler hin. - Percentage Used:
Zeigt den Verschleiß der SSD in Prozent an (basierend auf den vom Hersteller garantierten Schreibzyklen). Bei 100% ist die SSD statistisch am Ende ihrer Lebensdauer angekommen, funktioniert aber oft noch weiter. - Data Units Written:
Zeigt exakt an, wie viele Terabytes im Laufe des Lebens bereits auf diese SSD geschrieben wurden (perfekt, um den TBW-Status zu prüfen).
1.9 💡 Der automatische Wächter: smartd aktivieren
Damit man nicht erst im Terminal tippen muss, wenn es zu spät ist, lässt sich der Hintergrunddienst so einrichten, dass er im Hintergrund wacht und Warnungen ins Systemprotokoll (Syslog) wirft.
- Die Konfigurationsdatei öffnen:
sudo nano /etc/smartd.conf
Quote
- Suche die aktive DEVICESCAN-Zeile in deiner /etc/smartd.conf.
- Lösche dort den Parameter -m root oder -m <nomail> heraus (falls vorhanden).
- Füge stattdessen einfach -m deine.mail-adresse ein.
- Belasse alle anderen Parameter (wie -d removable, -n standby oder systemspezifische Skripte) exakt so, wie deine Distribution sie vorgegeben hat.
Standardmäßig scannt smartd alle Platten. Man kann dort z.B. eintragen, dass er bei Fehlern eine E-Mail an den Administrator senden soll.
Den Dienst unter Debian aktivieren und starten:
Für Arch Linux / EndeavourOS / Fedora / openSUSE:
Der Befehl, um zu prüfen, ob der Wächter nun tatsächlich läuft und fehlerfrei arbeitet, den Status abzufragen (egal auf welcher Distribution), nutzt einfach den Namen des laufenden Prozesses:
In der Statusanzeige sollte in grüner Schrift active (running) stehen. Falls dort Fehler auftauchen, liegt dies meist an Tippfehlern in der /etc/smartd.conf oder an einer fehlenden Mail-Infrastruktur auf dem lokalen System.