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Gradia – die beste Screenshot-App für GNOME | App-Vorstellung

  • kim88
  • August 24, 2025 at 4:56 PM
  • 1,443 Views
  • 20 Replies
In der Artikelserie „App Vorstellung“ stelle ich in unregelmässigen Abständen Linux-Apps vor, die mir gut gefallen, aber eher unbekannt sind. Heute geht es um Gradia, eine Bildschirmfoto-App, die das Entdecken und Bearbeiten von Bildschirmfotos besonders angenehm macht.
Contents [hideshow]
  1. Warum nicht mehr Flameshot?
  2. Gradia – die native Alternative für GNOME
  3. Installation & Einrichtung
    1. Installation über Flathub
    2. Tastenkürzel einrichten
  4. Gradia unter anderen Desktops
  5. Fazit

Bildschirmfotos und GNOME – das war schon immer ein spezielles Thema. Zwar bringt die GNOME Shell eine integrierte Screenshot-Funktion mit, mit der man Vollbild, Fenster oder einen frei wählbaren Bereich aufnehmen kann. Doch eine entscheidende Funktion fehlt: die direkte Bearbeitung der Screenshots.

Gerade in Foren oder Chats möchte man schnell mal einen Bereich markieren, Pfeile einfügen oder Text ergänzen – ohne erst GIMP oder Krita zu öffnen. Windows, macOS und seit einiger Zeit auch KDE Plasma sind hier schon länger einen Schritt weiter. Genau diese Lücke schliesst Gradia.

Warum nicht mehr Flameshot?

Viele Jahre lang war Flameshot meine bevorzugte Lösung für Bildschirmfotos unter Linux. Die App hat grundsätzlich vieles richtig gemacht und war lange Zeit die erste Wahl, wenn man Screenshots nicht nur aufnehmen, sondern auch direkt bearbeiten wollte. Mit der Zeit sind mir jedoch einige Schwächen immer deutlicher aufgefallen. Zum einen ist Flameshot nur sehr eingeschränkt mit Wayland kompatibel, was bedeutet, dass man sie unter GNOME oft nur mit zusätzlichen Tricks und viel Bastelarbeit zuverlässig zum Laufen bringt. Dazu kommt, dass Flameshot nicht die native Screenshot-Funktion von GNOME verwendet, sondern auf eine eigene Lösung setzt. Das führt nicht nur zu Inkonsistenzen in der Bedienung, sondern wirkt im täglichen Workflow schnell störend.

Ein weiterer Punkt ist die technische Basis: Flameshot ist in Qt geschrieben. Das mag unter KDE kein Problem sein, unter einem GNOME-Desktop bringt es jedoch zahlreiche zusätzliche Abhängigkeiten ins System, die eigentlich gar nicht benötigt würden. Diese Pakete belegen Arbeitsspeicher, nur um eine App nutzen zu können, die letztlich nicht wirklich nahtlos ins System passt.

All das führt dazu, dass sich Flameshot unter GNOME nie ganz „zu Hause“ anfühlt. Man merkt immer ein wenig, dass es sich um eine Fremdlösung handelt, die nicht für dieses Ökosystem entwickelt wurde.

Gradia – die native Alternative für GNOME

Mit Gradia fühlt es sich zum ersten Mal so an, als ob die Screenshot-Bearbeitung wirklich Teil von GNOME wäre. Die App ist nicht einfach nur irgendein Werkzeug, das man zusätzlich installiert – sie ist von Grund auf für GNOME entwickelt und nutzt die gleichen Bausteine, auf denen auch der Rest des Desktops basiert. Dank libadwaita wirkt Gradia optisch wie aus einem Guss, fügt sich nahtlos in die GNOME-Umgebung ein und verhält sich genau so, wie man es von einer nativen App erwartet.

Das eigentliche Highlight ist aber der Workflow: Man drückt die Screenshot-Taste, wählt wie gewohnt Vollbild, Fenster oder Bereich aus, und sofort danach öffnet sich Gradia mit dem frisch aufgenommenen Bild. Ohne Umwege kann man direkt Markierungen setzen, Pfeile einfügen, Text ergänzen oder das Bild zuschneiden. Alles ist schnell, intuitiv und ohne zusätzliche Klicks erreichbar.

Dadurch entsteht ein Arbeitsfluss, den man bislang nur von Windows, macOS oder KDE Plasma kannte – und der unter GNOME bisher schmerzlich gefehlt hat. Genau dieser Punkt macht Gradia so stark: Es fühlt sich nicht wie ein Kompromiss oder ein Fremdkörper an, sondern wie eine Funktion, die GNOME schon immer hätte haben sollen.

Installation & Einrichtung

Installation über Flathub

Gradia ist auf Flathub verfügbar: https://flathub.org/apps/be.alexandervanhee.gradia

Code
flatpak install flathub be.alexandervanhee.gradia

Tastenkürzel einrichten

In den GNOME Systemeinstellungen → Tastatur → Tastenkürzel anzeigen und anpassen → Eigene Tastenkürzel erstellt ihr einen neuen Eintrag.

  • Name: Bildschirmfoto erstellen
  • Befehl: flatpak run be.alexandervanhee.gradia --screenshot=INTERACTIVE
  • Tastenkombination: Print Screen

Ab sofort öffnet sich beim Drücken der Screenshot-Taste zuerst die native GNOME-Auswahl (Vollbild, Fenster, Bereich). Nach der Aufnahme startet automatisch Gradia zur Bearbeitung:

Gradia unter anderen Desktops

Gradia funktioniert übrigens nicht nur unter GNOME, sondern lässt sich auch auf anderen Desktop-Umgebungen einsetzen. Unter Linux Mint mit Cinnamon beispielsweise fehlt die in GNOME integrierte Auswahl zwischen Vollbild, Fenster oder Bereich. Stattdessen erstellt Gradia hier standardmässig immer ein Vollbild-Screenshot, das man jedoch direkt im Editor bequem zuschneiden und anpassen kann. Auf diese Weise bleibt der Ablauf trotzdem unkompliziert und praktisch.

Unter KDE Plasma hingegen macht der Einsatz von Gradia weniger Sinn, da die dort integrierte Screenshot-App bereits alle Funktionen bietet, die man von Gradia kennt – inklusive Bearbeitung und Markierung. Wer KDE nutzt, ist mit der nativen Lösung also bestens bedient.

Fazit

Mit Gradia bekommt GNOME endlich die Screenshot-App, die lange gefehlt hat. Endlich lassen sich Bildschirmfotos nicht nur aufnehmen, sondern auch direkt bearbeiten – und das in einer Anwendung, die sich perfekt in das System einfügt. Keine zusätzlichen Abhängigkeiten, kein Basteln, kein Fremdkörpergefühl, sondern eine native GNOME-App, die genau das macht, was man braucht: schnell, unkompliziert und zuverlässig.

Beispiel:

Alle, die regelmässig Screenshots erstellen … sollten Gradia unbedingt ausprobieren… Gerade im Alltag, beim Austausch in Foren oder bei der Arbeit an Dokumentationen, spart man mit Gradia enorm Zeit und Nerven. Für mich ist die App deshalb klar die beste Lösung für GNOME-Nutzer:innen.

  • gnome
  • Bildschirmfoto

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DenalB
August 24, 2025 at 9:19 PM

Danke, kim88 !

Als ich kurzzeitig Gnome genutzt hatte, bin ich auch auf die App gestoßen. Damals war sie allerdings noch nicht so weit, dass man sie schon ohne Probleme nutzen konnte. Für Gnome ist die App echt eine Alternative.

In KDE Plasma bleibe ich weiterhin bei Spectacle. Die App macht eigentlich all das, was ich unter Gnome immer schmerzlich vermisst habe und Gradia nun bringt. Damals hatte ich sogar ein oder zweimal versucht, Spectacle mit all seinen Abhängigkeiten in Gnome zu installieren. ;)

KTT73
August 24, 2025 at 9:34 PM

Bei xfce4 kann man nach den Screenshot auch einfach öffnen mit gradia auswählen...

kim88
August 24, 2025 at 9:38 PM

DenalB JA das Projekt hat in den letzten 3-4 Wochen massive Fortschritte gemacht und auch mehrere neue Versionen veröffentlicht.

Bingoloba
August 24, 2025 at 9:38 PM

Sehr gut, unter Linux mint 22.2 funktioniert es einwandfrei. Bilder sowie Bildschirmfotos können bearbeitet werden. Zuschneide-Werkzeug ist auch gut (wenn man zB 2 Bildschirme hat und nur einen bearbeiten/danach abspeichern will)

Gradia kann somit gut zwecks Darstellungen hier im Forum genutzt werden.

Bulvai
August 24, 2025 at 10:15 PM

Ich bin mit Flameshot sehr zufrieden. Mag sein, daß es daran liegt, daß ich KDE verwende. Aber es läuft einfach wie es soll. Ich habe auch keinerlei Probleme mit Wayland. Das kann auch wieder so ein KDE-Ding sein. Vielleicht harmoniert Flameshot mit KDE besser.

Wenn es für GNOME besser ist, freut es mich. Jeder braucht ein vernünftiges Programm für Screenshots.

Sojan
August 25, 2025 at 5:09 AM

Super, das lange Warten hat sich gelohnt. Habe Flameshot gleich deinstalliert.

Für Arch-Nutzer...das Programm ist auch im Garuda-Repo vorhanden oder halt im AUR.

Code
% pacman -Ss gradia

chaotic-aur/gradia 1.10.0-1
    Screenshot annotation tool
JochenPankow
August 25, 2025 at 8:32 AM

Einfach perfekt für GNOME 46! :thumbup: Danke für diesen Artikel und die verständliche Anleitung ... ! 8)

MyLibertad
August 25, 2025 at 8:45 AM

Vielen Dank für das Vorstellen des Tools kim88 .:) In Ermangelung einer Gnome-Umgebung in einer VM hier, pack ich es mal in meine Liste zum Testen, wenn es denn mal soweit ist. Auch wenn es offenbar auch in Cinnamon läuft, möchte ich es gern erst einmal in seiner nativen Umgebung ausprobieren. :)

Z.Zt. erledigt bei mir die Aufgabe Flameshot, was ich erst durch das Forum hier kennengelernt und sofort ins Herz geschlossen habe. Dennoch darf man ja mal über den Tellerrand schauen. Etwas stört mich allerdings vorweg. Der extra Schritt über ein eigenes Fenster, bin ne faule Nudel. Da ist Flameshot unschlagbar. Aber mal gucken.:D

Quote from kim88

DenalB JA das Projekt hat in den letzten 3-4 Wochen massive Fortschritte gemacht und auch mehrere neue Versionen veröffentlicht.

Irgendwie begegnet mir eine Aussage wie Diese, in letzter Zeit ziemlich häufig. Als würden plötzlich 10 Entwickler gleichzeitig an einem Projekt arbeiten. Selbstverständlich ist das ein subjektiver Eindruck. Aber wenn jetzt hier auch generative KI im Spiel ist, soll es nicht von Nachteil sein. Immerhin soll es ja auch Entwicklungen fördern.:)

Sojan
August 25, 2025 at 9:24 AM
Quote from MyLibertad

Etwas stört mich allerdings vorweg. Der extra Schritt über ein eigenes Fenster, bin ne faule Nudel. Da ist Flameshot unschlagbar.

Dir kann geholfen werden :)

gradia , gradia --screenshot oder gradia --screenshot=FULL. Einfach drei Shortcuts anlegen.

joka63
August 25, 2025 at 9:27 AM

Ich habe so ein Tool zwar bisher noch nicht vermisst, funktioniert aber gut unter Fedora (Silverblue). Daher Danke für den Tipp.

Unter einem ziemlich frisch installierten Linux Mint 22.1 in einer VM ist es ein kostspieliger Spaß: es werden über 3,5 GB zusätzlich Platz benötigt (OK, für die erste Flatpak/Flathup App). Außerdem funktionierte bei mir unter Mint (im Gegensatz zu Fedora/GNOME 48) der interaktive Modus nicht: es wird immer der ganze Bildschirm aufgenommen.

P.S.: zum Vergleich: Software unter Fedora/GNOME 48 zeigt mir für Gradia gerade mal 14,5 MB als installierte Größe an.

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