Anonyme Wegwerfadressen mit eigener Domain und Proton Pass
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Stardenver -
June 22, 2025 at 10:33 AM -
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Ich bin mittlerweile ziemlich zufrieden mit Proton Pass als Passwortmanager. Nicht nur, weil die Oberfläche aufgeräumt ist oder die App zuverlässig funktioniert – das tun viele Passwortmanager. Was Proton Pass für mich besonders macht, ist die Möglichkeit, für jeden Login eine eigene E-Mail-Adresse zu generieren. Und das direkt beim Anlegen eines neuen Eintrags.
Warum das gut ist? Ganz einfach: Ich kann für jeden Dienst eine andere Adresse nutzen. Sollte plötzlich Spam auf eine dieser Adressen eintrudeln, weiß ich sofort, wer da geschlampt oder meine Adresse verkauft hat. Außerdem erschwert es Angreifern das Leben. Wer eine meiner Adressen kennt, kann sich damit nicht einfach irgendwo anders anmelden – weil es diese Adresse nur für genau einen Dienst gibt.
Allerdings gibt es einen Haken an der Sache: Diese E-Mail-Aliasse kommen alle von Proton selbst. Bedeutet: Wenn ich aus irgendeinem Grund den Zugriff auf mein Proton-Konto verliere – sei es durch Kündigung, Sperre oder ein anderes Drama – dann sind all diese Aliasse weg. Und das kann schnell sehr ungemütlich werden, wenn man sich plötzlich nirgends mehr einloggen kann.
Die Lösung: Eigene Domain – anonym registriert
Um das zu vermeiden, setze ich auf eine eigene Domain. Die gehört mir, nicht Proton, nicht Google, keinem Drittanbieter – nur mir. Und sollte ich je den Anbieter wechseln wollen, kann ich sie samt DNS-Einträgen einfach mitnehmen.
Weil mir Anonymität wichtig ist, nutze ich dafür Njalla. Falls du Njalla noch nicht kennst: Das ist ein Domain-Registrar mit Fokus auf Privatsphäre, gegründet von einem der Pirate-Bay-Mitgründer. Hier kann ich Domains registrieren, ohne dass mein Name in irgendwelchen Whois-Datenbanken auftaucht. Ich zahle anonym (z. B. mit Kryptowährung), Njalla tritt als Treuhänder auf, und ich habe trotzdem die volle Kontrolle über DNS, Mail und Co.
Preislich geht es hier bei 15 EUR (im Jahr) los. Ich nutze einfach mal die Domain Linuxfreund für eine Suche (hat nichts mit unserem gleichnamigen Nutzer im Forum zu tun):
Mit .net .eu und .com sind schon ganz akzeptable TLD für 15 EUR darunter.Bezahlt werden kann anonym via Wallet oder halt per PayPal. Da der Kauf via PayPal nicht direkt mit einer Domain in Verbindung gebracht wird und stattdessen "nur" das Nutzerkonto mit Guthaben aufgeladen wird, gibt es zumindest keine direkte Verbindung. Für mich gut genug. Wer hier maximale Anonymität (im Bereich des Möglichen) will, der sollte Cryptocurrencies verwenden.
So geht es dann weiter:
- Ich wähle mir über Njalla eine Domain aus – am besten eine, die nicht aussieht wie Spam, aber auch nicht direkt auf mich schließen lässt.
- Die Registrierung kostet in meinem Fall 15 Euro pro Jahr, was für ein bisschen digitale Unabhängigkeit völlig okay ist.
- In den DNS-Records der Domain trage ich die nötigen MX- und TXT-Einträge für Proton ein, wie es in der Anleitung von Proton beschrieben ist.
- Nun erfolgt eine kurze abschließende Überprüfung über den Assistenten in Proton und ich kann weitere Einstellungen vornehmen.
- Und ab jetzt: Jede neue Login-Adresse läuft über meine eigene Domain. Anonym, unter meiner Kontrolle – und wenn Proton mal weg sein sollte, wechsle ich einfach den Mailanbieter, nicht meine ganze digitale Identität.
Ich habe mich während der Einrichtung dafür entschieden, dass neue Mailadressen beim Eintreffen der ersten Mail automatisch eingerichtet werden. Das hat den Vorteil, dass ich jederzeit und überall selbst Adressen ausdenken kann, auch wenn ich dafür gerade nicht Proton Pass verwende. Nutze ich also bspw test1@domain, test2@domain und test3@domain und lege dann einen neuen Login auf einer Webseite an, kann ich auch manuell einfach irgendeine Adresse angeben. Verwende ich z.B. bei der Registrierung blablablupp@domian und der Dienst sendet dann eine Registrierungs-Mail an diese Adresse, legt Proton diese automatisch für mich an, wenn die erste Mail eintrifft. Theoretisch könnte ich mir also auch eine Adresse ausdenken und jemandem telefonisch mitteilen und es würde funktionieren.
Fazit
Für mich ist das die ideale Kombination: Die Einfachheit und Sicherheit von Proton Pass, kombiniert mit der Kontrolle und Flexibilität einer eigenen Domain. Und wenn dann doch mal Spam auftaucht? Einfach ein Alias deaktivieren – fertig.
Das Ganze klingt auf den ersten Blick vielleicht etwas aufwendig, ist es aber nicht. Und der Zugewinn an Datenschutz und Übersicht ist es für mich absolut wert.
Mir ist bewusst: Absolute Anonymität oder Sicherheit gibt es nicht. Wer das behauptet, redet sich die Welt schöner, als sie ist. Es geht vielmehr darum, die eigenen Daten so gut wie möglich zu schützen und die Kontrolle zu behalten – und genau das erreiche ich mit dieser Kombination. Für den normalen Alltag ist das Setup mehr als ausreichend sicher und privat, aber eben keine Garantie gegen Missbrauch, Überwachung oder Pannen. Ein gesundes Maß an Misstrauen sollte man sich immer bewahren.
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